In vier Kreisen Ostdeutschlands verdienen Frauen mehr als Männer

IAB5

Unterschiede in der Lohnlücke erklären sich vor allem durch die Betriebslandschaft vor Ort 

In Cottbus verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen rund vier Prozent mehr als vollzeitbeschäftigte Männer. Auch in Frankfurt/Oder, Dessau-Roßlau und Schwerin liegen vollzeitbeschäftigte Frauen in puncto Gehalt im Schnitt vor den Männern. Im bundesweiten Durchschnitt erhalten dagegen vollzeitbeschäftigte Männer rund 21 Prozent mehr Lohn oder Gehalt, geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Unterschiede bei Qualifikation, Berufswahl und Arbeitserfahrung sind bei dieser sogenannten unbereinigten Lohnlücke allerdings nicht berücksichtigt.

Frauen unterbrechen wesentlich häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit für Kindererziehung und Familienphasen. »Als Folge müssen Frauen einen Lohnabschlag aufgrund familienbedingter Erwerbsunterbrechungen in Kauf nehmen«, schreiben die IAB-Arbeitsmarktforscherinnen Michaela Fuchs, Anja Rossen, Antje Weyh und Gabriele Wydra-Somaggio. Frauen arbeiten zudem häufig im Büro-, Dienstleistungs- oder Gesundheitsbereich. Tätigkeiten in diesen Bereichen sind meistens nicht nur mit einem geringeren Verdienst, sondern auch mit flacheren Karriereverläufen verbunden. Außerdem sind Frauen häufiger in kleinen Betrieben tätig. Damit profitieren sie nicht im gleichen Ausmaß wie Männer von den im Durchschnitt höheren Löhnen in Großbetrieben.

 

Regionale Verdienstunterschiede

 

Viele dieser Faktoren sind je nach Region unterschiedlich stark ausgeprägt. »Es hängt sehr stark von den konkreten Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort ab, ob und wie viel Frauen weniger verdienen als Männer«, erklären die Forscherinnen. Auf Kreisebene betrachtet unterscheidet sich die unbereinigte Lohnlücke daher erheblich. Im Bodenseekreis, in Ingolstadt oder im Landkreis Dingolfing-Landau verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen beispielsweise rund 40 Prozent weniger als Männer, in Cottbus dagegen vier Prozent mehr. »Männer verdienen vor allem in solchen Regionen deutlich mehr, in denen Großbetriebe gut bezahlte Jobs in Produktion, Fertigung und Forschung anbieten«, erläutern die Forscherinnen. So sei der Bodenseekreis stark vom Maschinenbau und Ingolstadt von der Automobilindustrie geprägt. Den Frauen in Ostdeutschland biete dagegen der öffentliche Dienst häufig attraktive Verdienstmöglichkeiten. Rund ein Fünftel der Frauen in Cottbus arbeitet im öffentlichen Dienst. Männer sind in Cottbus dagegen überdurchschnittlich häufig in der Zeitarbeitsbranche tätig. In der Industrie sind in Cottbus vergleichsweise wenige Männer beschäftigt.

Werden, soweit statistisch verfügbar, die Unterschiede hinsichtlich Qualifikation, Beruf und Arbeitserfahrung berücksichtigt, zeigt sich wieder das gewohnte Bild: Männer verdienen dann überall in Deutschland mehr als Frauen. Die Vorteile der Frauen in Cottbus hinsichtlich ihrer beruflichen und betrieblichen Merkmale bilden sich nur zum Teil in ihren Einkommen ab.

   

  VERWEISE  

 

Ähnliche Themen in dieser Kategorie

09.03.2026

Die Rückkehr der Chefinnen als fragiles Comeback Der deutsche Mittelstand verzeichnet nach KfW-Angaben für das Jahr 2025 eine vorsichtige Erholung der Frauenquote in der Geschäftsführung: Mit rund 621.000 Unternehmen wird aktuell ein Anteil von 16 Prozent erreicht. Dieser …

08.03.2026

Die Rolle der Betriebe bei der geschlechtsspezifischen Entlohnung Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern werden zu etwa einem Drittel durch die spezifische Vergütungspraxis von Unternehmen beeinflusst. Eine internationale Datenanalyse für den Zeitraum von 2010 bis …

06.03.2026

Paradoxe Entwicklung: Frauenanteil in IT-Berufen sinkt europaweit In Europa zeigt sich im Technologiesektor eine zunehmende Diskrepanz zwischen akademischer Qualifikation und beruflicher Realität von Frauen. Trotz steigender Abschlusszahlen in den MINT-Fächern sinkt der …

02.03.2026

Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA): »Engpassanalyse: Frauen als Schlüssel zur Fachkräftesicherung« Fachkräftepotenziale durch Erwerbsbeteiligung von Frauen stärken Die Sicherung qualifizierten Personals stellt angesichts des demografischen Wandels eine …

.
Oft gelesen...
TIPP