Erwerbstätigenzahl blieb 2025 fast unverändert

Erwerbstätigkeit sinkt leicht unter Vorjahresniveau
Der deutsche Arbeitsmarkt verzeichnete im Jahr 2025 eine historische Zäsur. Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten – das erste Corona-Jahr 2020 ausgenommen – ist die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt gesunken.
Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren rund 46,0 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 5.000 Personen gegenüber dem Rekordjahr 2024. Damit endet eine lange Phase des Beschäftigungsaufbaus, der zuletzt bereits deutlich an Dynamik verloren hatte.
Demografie und Konjunktur bremsen die Entwicklung
Verantwortlich für diese Stagnation ist eine Mischung aus konjunktureller Abkühlung und strukturellen demografischen Veränderungen. Der demografische Wandel entfaltet nun seine volle Wirkung: Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden zunehmend aus dem Erwerbsleben aus, während quantitativ weniger junge Fachkräfte nachrücken.
Zwar wirken die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte sowie eine gestiegene Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung – insbesondere von Frauen und Älteren – stabilisierend, sie können die demografische Lücke jedoch nicht mehr vollständig schließen.
Dienstleistungssektor verhindert stärkeren Einbruch
Eine differenzierte Betrachtung der Wirtschaftsbereiche zeigt, dass der Arbeitsmarkt ohne den Dienstleistungssektor deutlich stärker geschrumpft wäre. Rund 75,9 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiteten 2025 in diesem Sektor, der als einziger Bereich Beschäftigungsgewinne verzeichnete. Besonders dynamisch entwickelten sich hierbei die Bereiche öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit. Der Zuwachs von 205.000 Personen in diesem Segment verdeutlicht den enormen gesellschaftlichen Bedarf in der Daseinsvorsorge und im Bildungswesen.
Im Gegensatz dazu bauten das Produzierende Gewerbe und das Baugewerbe spürbar Personal ab. Die Industrie verlor 143.000 Erwerbstätige, was einem Minus von 1,8 Prozent entspricht. Auch im Bereich Information und Kommunikation endete ein fast zehnjähriger Wachstumstrend mit einem leichten Rückgang.
Arbeitslosigkeit und strukturelle Passungsprobleme
Während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung leicht zunahm und damit Rückgänge bei marginaler Beschäftigung und Selbstständigkeit kompensierte, stieg die Zahl der Erwerbslosen deutlich an. Im Jahresdurchschnitt waren rund 1,7 Millionen Menschen erwerbslos, was einer Quote von 3,5 Prozent entspricht. Dieser Anstieg der Erwerbslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel in spezifischen Sektoren deutet auf wachsende Passungsprobleme hin (Mismatch). Die Qualifikationen der Arbeitssuchenden stimmen oftmals nicht mit den Anforderungen der offenen Stellen überein. Für das Bildungssystem ergibt sich daraus die dringende Aufgabe, Aus- und Weiterbildungsangebote noch gezielter auf die sich wandelnden Bedarfe des Arbeitsmarktes auszurichten.
Methodische Hinweise
Bei den Ergebnissen handelt es sich um eine erste Schätzung zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit im Gesamtjahr 2025.
Erwerbstätige und Erwerbslose werden nach dem Erwerbsstatuskonzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gezählt. Die ausgewiesene Erwerbslosigkeit weicht daher von der registrierten Arbeitslosigkeit ab, die von der Bundesagentur für Arbeit entsprechend dem Sozialgesetzbuch ermittelt und veröffentlicht wird. Für die Berechnung der Erwerbslosenquoten werden im Europäischen Statistischen System einheitlich die Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebungen zugrunde gelegt.
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