Arbeitszeit pro Kopf auf Rekordhoch

Die durchschnittliche wöchentliche pro-Kopf-Arbeitszeit in Deutschland hat mit fast 29 Stunden ein Rekordniveau seit 1990 erreicht.
Dieser Anstieg ist vor allem durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen geprägt, deren Arbeitszeit pro Kopf in den vergangenen 15 Jahren deutlich zugenommen hat. Männer hingegen arbeiten etwa auf dem Niveau der frühen 1990er Jahre.
Frauen holen bei Arbeitszeit auf
1991 lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen bei rund 19 Stunden, 2022 waren es bereits mehr als 24 Stunden. Diese Zunahme erklärt sich hauptsächlich durch den gestiegenen Anteil erwerbstätiger Frauen, der in den letzten drei Jahrzehnten um fast ein Drittel wuchs. Obwohl viele Frauen weiterhin Teilzeit arbeiten, konnte der höhere Erwerbsanteil diesen Effekt deutlich überkompensieren.
Potenzial für weitere Steigerungen ist jedoch noch vorhanden, insbesondere durch verbesserte familienpolitische Maßnahmen wie den bedarfsgerechten Ausbau von Kindertagesstätten, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.
Männer auf stabilem Niveau
Die Wochenarbeitszeit der Männer hat sich seit Anfang der 1990er kaum verändert. Nach einem Rückgang in den 1990er und frühen 2000er Jahren, insbesondere durch wirtschaftliche Schwächephasen und Betriebsschließungen, ist die Arbeitszeit wieder angestiegen, wurde jedoch durch die Corona-Pandemie kurzzeitig unterbrochen.
Männer sind heute etwas häufiger erwerbstätig als damals, insbesondere im höheren Alter, arbeiten aber durchschnittlich etwa 2,6 Stunden weniger pro Woche. Insgesamt bleibt die Arbeitszeit pro Kopf bei Männern ungefähr auf dem Niveau von vor 30 Jahren.

Gesellschaftlicher Wandel spürbar
Der Unterschied in der Arbeitszeit zwischen Frauen und Männern hat sich seit 1991 deutlich verringert: Arbeitete eine Frau damals im Schnitt noch rund 14 Stunden weniger als ein Mann, sind es heute nur noch knapp 9 Stunden. Diese Entwicklung kann nicht nur als politisches Signal für den Arbeitsmarkt gewertet werden, sondern auch als Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels.
Hintergrund
Die Daten basieren auf altersstandardisierten Berechnungen mit Bezug auf die Bevölkerung im Jahr 2022, um den Einfluss von Veränderungen in der Altersstruktur auszuschließen.
VERWEISE
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