Wie Digitalisierung die Arbeitswelt verändert

Probleme wie Arbeitsplatzabbau, Standortschließungen und -verlagerungen, »Heuern und Feuern« oder Arbeitsverdichtung haben zwar oft andere Ursachen, werden jedoch durch die Digitalisierung verstärkt.
Das zeigt ein aktueller Report aus dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).
Das IAQ-Team um Prof. Dr. Thomas Haipeter, Dr. Fabian Hoose und Dr. Sophie Rosenbohm fasst in dem neuen Report Ergebnisse aus Forschungsprojekten der IAQ-Abteilung »Arbeitszeit und Arbeitsorganisation« zusammen, die ausführlicherer auch in der Open-Access-Publikation »Arbeitspolitik in digitalen Zeiten« auf 280 Seiten behandelt werden. Untersucht wird die Digitalisierung als zentrale Herausforderung für die Gestaltung, Organisation und Regulierung von Arbeit. Denn Arbeitspolitik wird ausgehandelt auf betrieblicher wie überbetrieblicher Ebene; sie entsteht aus der Zusammenarbeit von Akteuren wie Management und Arbeitgeberverbänden sowie Gewerkschaften und Betriebsräten und ihren Interessen, Strategien und Machtressourcen. Zwei Ergebnisse stehen im Zentrum der Befunde: Der Wandel der Arbeit ist nicht einfache Folge der Digitalisierung, sondern das Verhandlungsresultat der Akteure. Dabei ist die Digitalisierung zwar ein wichtiger Entwicklungstrend, aber bei weitem nicht der Einzige.
Die Corona-Krise hat neben der Bedeutung der Digitalisierung auch zahlreiche Defizite und Versäumnisse der (Arbeits-)Politik hervorgehoben: Die Spaltung zwischen den Beschäftigten, die geschützt im Homeoffice waren und denen, die in systemrelevanten Tätigkeiten vor Ort arbeiten mussten; aber auch zwischen Beschäftigten mit und ohne digitale Arbeitsmittel und der damit verbundenen Teilnahme an Kommunikationsprozessen. Hinzu kam für Familien die Herausforderung der Kinderbetreuung parallel zur Arbeit.
Es gibt gewerkschaftliche Initiativen mit dem Ziel, die Gestaltung der gewandelten Arbeitswelt zu beeinflussen, aber Gestaltungsanspruch und strategisches Handlungsvermögen müssen in Einklang gebracht werden: »Arbeitspolitik in Zeiten der Digitalisierung muss deshalb darauf ausgerichtet sein, die Handlungsfähigkeit der Akteure – der Interessenvertretungen und der Beschäftigten selber – zu stärken«, so das Fazit des IAQ-Teams.
VERWEISE
- Zur Studie ...
Ähnliche Themen in dieser Kategorie
Widersprüche im Paradigmenwechsel: Die Transformation aus Sicht der Belegschaft Der Erfolg des sozial-ökologischen Umbaus der Wirtschaft hängt maßgeblich von der konsequenten Umsetzung neuer Unternehmensstrategien ab, nicht von einer mangelnden Veränderungsbereitschaft der …
Mehr als nur Schatten-IT: Forderung nach systematischer KI-Qualifizierung In Deutschland nutzt aktuell nur jeder fünfte Beschäftigte regelmäßig Künstliche Intelligenz (KI) im beruflichen Kontext. Trotz einer weitreichenden Bekanntheit der Technologie bleibt die verstetigte …
Das »Future-Skills-Framework 2030« definiert 30 essenzielle Kompetenzen für den Wandel Das aktualisierte »Future-Skills-Framework 2030« des Stifterverbandes definiert 30 essenzielle Handlungskompetenzen für die nächsten fünf Jahre. Angesichts globaler Megatrends stellt der …
Innovatives Lernen: KI im Handwerk macht Ausbildung digital Das Bildungszentrum Schweinfurt der Handwerkskammer für Unterfranken erforscht gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) den Einsatz von KI-Technologien in der überbetrieblichen …
