Potenziale der Künstlichen Intelligenz

Die Mitglieder der Enquete-Kommission »Künstliche Intelligenz - Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale« haben am 1. April 2019 ihre Beratungen mit einem Vortrag zu den Begriffen Vertrauen und Gemeinwohl sowie einem Fachgespräch unter dem Titel »Künstliche Intelligenz und Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft« fortgesetzt. Vortrag und einleitende Statements der Sachverständigen des Fachgespräches fanden öffentlich statt, die jeweils anschließende Fragerunde war nicht öffentlich. Ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit tauschten sich die Kommissionsmitglieder über den Stand der Arbeit in den Projektgruppen aus.
Joachim Fetzer vom »Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik« umriss in seinem Impulsvortrag die Komplexitäten der Begriffe Vertrauen und - weniger umfangreich - Gemeinwohl. Bezogen auf die Diskussion im Umgang mit KI betonte Fetzer, dass sich Vertrauen nicht erzwingen lasse: »Vertrauen als gesellschaftliches Leitbild halte ich für fragwürdig«. Der Sachverständige hob die Bedeutung von Lernprozessen hervor und verwies etwa auf das Lernen des Umgangs mit Tieren als eine Analoge für den Umfang mit KI.
In dem Fachgespräch diskutierten die Experten unter anderem über Risikobereitschaft, Hardware-Produktion in Deutschland sowie KI-Potenziale im gemeinwohlorientierten Sektor.
Hans-Christian Boos (arago GmbH) warb für mehr Risikobereitschaft in Politik und Wirtschaft, denn KI böte große Chancen. Sie ermögliche »eine neue Generation der Automation«, in der im Gegensatz zur Automation in der klassischen Industriegesellschaft nicht mehr sowohl Ziel als auch Lösungsweg beschrieben werden müssten, sondern der Lösungsweg von den Maschinen gefunden werde. So ließen sich wesentlich effektiver individuelle Produkte oder Dienstleistungen produzieren, sagte Boos. Der Sachverständige konstatierte erheblichen Handlungsbedarf für die deutsche Wirtschaft. Deren Kernbranchen stünden nämlich »unter Angriff« durch chinesische und US-amerikanische Plattformunternehmen.
Roy Uhlmann vom «Bundesverband Deutsche Startups« umriss am Beispiel des autonomen Fahrens die Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. So werde Hardware wie etwa Sensoren vor allem in China eingekauft, da die notwendige Hardware nicht in Deutschland produziert werde. Auch beim Umgang mit Daten zeichneten sich Fehlentwicklungen ab, sagte Uhlmann. Zudem sei der Aufbau der 5G-Infrastruktur essentiell. Grundlagenforschung sei zudem bei KI-Technologien gefragt, um Abhängigkeiten von den Frameworks großer Konzerne zu vermeiden.
Johannes Müller (Netzwerk CorrelAid) warb dafür, auch die Potentiale des KI-Einsatzes in der Zivilgesellschaft stärker zu berücksichtigen. Dazu müsse zunächst auch grundsätzlich die Digitalisierung im gemeinwohlorientierten Bereich und im NGO-Sektor angegangen werden. Müller stellte zwei zivilgesellschaftliche Beispiele aus dem Bereich der Rechtsberatung sowie der Dolmetschervermittlung vor, bei denen durch maschinelles Lernen beziehungsweise Vorhersagemodelle die zivilgesellschaftliche Arbeit unterstützt werden konnte.
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