EFI-Gutachten 2024 zur Forschungs- und Innovationspolitik vorgestellt

Die Bundesregierung verfolgt ambitionierte Transformationsziele in Energie, Mobilität, Digitalisierung und Landwirtschaft. Die Expertenkommission warnt vor kurzfristiger Krisenpolitik und empfiehlt langfristige, sozial verträgliche Strategien. Innovationen und eine effektive Forschungs- und Innovationspolitik, inklusive der Überwindung der Trennung zwischen militärischer und ziviler Forschung, seien entscheidend, heißt es in dem neuen EFI-Gutachten.
Die aktuelle Bundesregierung setzt die ambitionierte Agenda ihrer Vorgängerin fort, die sich der umfassenden Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft widmet. Zentrale Projekte wie die Energiewende, die Mobilitätswende, die Digitalisierung und die Schaffung nachhaltiger landwirtschaftlicher Konzepte stehen im Mittelpunkt der Forschungs- und Innovationsstrategie. Diese Transformationsprozesse erfordern eine breite Palette technologischer und sozialer Innovationen, die durch ein komplexes Gefüge aus Strategien, Reformen und Maßnahmen unterstützt werden müssen.
Herausforderungen und Empfehlungen der Experten
Trotz erkennbarer Fortschritte warnt die Expertenkommission vor den Risiken einer kurzfristigen Krisenpolitik, die langfristige Transformationsziele untergraben könnte, insbesondere angesichts geopolitischer und innenpolitischer Spannungen. Sie empfiehlt der Bundesregierung, langfristige Ziele, soziale Kompensation, den Strukturwandel, die Förderung von Innovationen und die Sicherung des Humankapitals in ihrer Politik stets zu berücksichtigen.
Innovative Ansätze zur Umsetzung und Weiterentwicklung
Die Bildung von Missionsteams, unterstützt durch die Staatssekretärsebene und eigene Budgets, wird als effektive Methode zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben gesehen. Die Dringlichkeit der Einführung eines Reallabore-Gesetzes, die teilweise Umsetzung des SPRIND-Freiheitsgesetzes und die Gründung der Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) in Erfurt sind weitere Schritte in Richtung einer innovationsfreundlichen Umgebung. Die Expertenkommission betont auch die Notwendigkeit, die Forschungszulage KMU-freundlicher zu gestalten und den IP-Transfer für Ausgründungen zu erleichtern.
Überwindung traditioneller Grenzen
Die strikte Trennung zwischen militärischer und ziviler Forschung und Entwicklung wird kritisch betrachtet. Angesichts globaler Bedrohungslagen empfiehlt die Kommission, Synergien zwischen beiden Bereichen zu fördern und positive Effekte für die Produktivität und Beschäftigung im zivilen Sektor zu nutzen. Ebenso wird die Initiative der EU zur Verbesserung des Marktes für standardessenzielle Patente und die Notwendigkeit, das Potenzial von Daten für das Forschungs- und Innovationssystem voll auszuschöpfen, begrüßt.
Fazit: Evaluationsmethoden verbessern
Abschließend wird die Bedeutung einer systematischen Integration von Kausalanalysen in die Forschungs- und Innovationspolitik hervorgehoben, um die Wirkung politischer Maßnahmen besser zu verstehen und ein evidenzbasiertes Politiklernen zu ermöglichen. Die Bundesregierung wird aufgefordert, die Voraussetzungen für sachgerechte Analysen zu schaffen und die Transparenz der Forschung durch die Veröffentlichung aller Evaluationsstudien zu erhöhen.
Hintergrund
Die Expertenkommission Forschung und Innovation, bestehend aus sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, leistet Politikberatung für die Bundesregierung und legt seit 2008 einmal im Jahr ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Neben Handlungsempfehlungen für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik werden weitere Schwerpunktthemen in den Fokus genommen.
In diesem Jahr sind dies »Neue Technologien für eine nachhaltige Landwirtschaft«, »Internationale Mobilität im Wissenschafts- und Innovationssystem«, »Soziale Innovationen« sowie »Künstliche Intelligenz«.
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