Kreativität im Klassenzimmer: Ergebnisse der PISA-Studie

PISA 2022

PISA-Studie: Jugendliche in Deutschland beim kreativen Denken im Mittelfeld  

Jugendliche in Deutschland sind genauso gut im kreativen Denken wie der Durchschnitt der 15-Jährigen in den OECD-Staaten, wie die jüngste PISA-Studie zeigt. Diese Fähigkeit ist eng mit den Kernkompetenzen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften verknüpft.

Kreatives Denken als Schlüsselkompetenz

Kreatives Denken ist entscheidend, um Probleme zu lösen und Neues zu schaffen. Es ist eine Voraussetzung, um mit beruflichen und privaten Veränderungen umzugehen. Die aktuelle PISA-Studie untersuchte erstmals, wie ausgeprägt diese Fähigkeit bei Schülerinnen und Schülern kurz vor dem Ende ihrer Pflichtschulzeit ist.

Aufgaben zur Förderung kreativen Denkens

In Deutschland bearbeiteten rund 5.900 15-Jährige neben den Tests in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften auch Aufgaben zum kreativen Denken. Beispielsweise sollten die Jugendlichen verschiedene Möglichkeiten entwickeln, das Bewusstsein für die Bedeutung von Bienen zu stärken oder einen Dialog für einen Comic verfassen.

Fokus der Studie

Prof. Doris Lewalter vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München (TUM), Leiterin des deutschen Teils der PISA-Studie, erläuterte, dass der Fokus der Studie darauf liegt, ob Jugendliche originelle Ideen entwickeln, fremde Ideen weiterführen und mehrere Ideen zu einer Frage einbringen können. Es gehe darum, soziale und naturwissenschaftliche Probleme zu lösen und sich schriftlich sowie visuell auszudrücken.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass deutsche Jugendliche im kreativen Denken mit dem OECD-Durchschnitt mithalten können, was ihnen in einer sich schnell wandelnden Welt zugutekommt.

Die jüngste PISA-Studie zeigt, dass die kreativen Denkfähigkeiten der Jugendlichen in Deutschland dem Durchschnitt der OECD-Staaten entsprechen. Besonders hervorstechende Ergebnisse erzielen 15-Jährige in Korea, Kanada, Australien und Neuseeland. Singapur führt die Rangliste aller teilnehmenden Staaten an. Deutschland steht auf einer Stufe mit Ländern wie Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Israel.

Vergleichbare Kompetenzstufen

Die Studie ordnet die Schülerinnen und Schüler anhand ihrer erzielten Punktzahlen verschiedenen Kompetenzstufen zu. In Deutschland erreichen 27 Prozent der 15-Jährigen die Kompetenzstufen, die besonders gute Voraussetzungen für die Berufswelt bieten. Diese Jugendlichen können originelle Ideen entwickeln und kreative Lösungen für Probleme finden.

Herausforderungen für einen Teil der Jugendlichen

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass 22 Prozent der deutschen Jugendlichen Schwierigkeiten haben, einfache visuelle Designs und schriftliche Darstellungen zu erstellen oder Lösungen für Probleme zu entwickeln. Diese Gruppe hat Nachholbedarf, um ihre kreativen Fähigkeiten zu verbessern und somit besser auf die Anforderungen der Berufswelt vorbereitet zu sein.

Bedeutung für die Bildungspolitik

Diese Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, gezielte Maßnahmen zur Förderung kreativen Denkens in der Bildungspolitik zu ergreifen. Indem man Schülerinnen und Schülern hilft, ihre kreativen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, können sie besser auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden.

Die PISA-Studie zeigt somit nicht nur, dass deutsche Jugendliche im internationalen Vergleich gut abschneiden, sondern auch, dass es weiterhin Handlungsbedarf gibt, um allen Jugendlichen die bestmöglichen Chancen für ihre berufliche und persönliche Entwicklung zu bieten.

Starker Zusammenhang mit Kernkompetenzen

Weiterführende Auswertungen der PISA-Studie zeigen, dass die Ergebnisse der kreativen Denkfähigkeiten eng mit den Kernkompetenzen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften verknüpft sind. Doris Lewalter vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München erklärt, dass das Anwenden von mathematischem und naturwissenschaftlichem Wissen sowie das Verstehen von Texten offenbar auch kreatives Denken fördert. Diese Kompetenzen stehen in Wechselwirkung zueinander.

Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen

Die Analysen zeigen zudem, dass Mädchen im kreativen Denken deutlich besser abschneiden als Jungen. Berücksichtigt man jedoch die größere Lesekompetenz der Mädchen, relativiert sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern und wird nur noch gering.

Unterschiede zwischen Schulformen

Auch die Unterschiede zwischen den Schulformen werden durch die Kernkompetenzen erklärt. Die deutlich besseren Ergebnisse der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten lassen sich durch ihre größeren Fähigkeiten in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erklären. Diese Kernkompetenzen tragen maßgeblich zur Entwicklung kreativen Denkens bei.

Förderung von Kernkompetenzen stärkt kreatives Denken

Die PISA-Studie verdeutlicht, dass die Förderung von Kernkompetenzen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften zugleich das kreative Denken der Schülerinnen und Schüler stärkt. Dabei zeigt sich, dass es wichtig ist, die Wechselwirkungen zwischen diesen Kompetenzen zu berücksichtigen, um gezielt Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungsqualität zu entwickeln.

Dies bedeutet, dass Bildungspolitik und Schule darauf abzielen sollten, ein ganzheitliches Bildungsangebot zu schaffen, das sowohl die Kernkompetenzen als auch die kreativen Fähigkeiten der Jugendlichen fördert. So können sie besser auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden.

Doris Lewalter betont, dass kreatives Denken gefördert werden kann. Es sei nicht notwendig, ein spezielles Schulfach für Kreativität einzuführen. Vielmehr sollten Schülerinnen und Schüler in jedem Unterrichtsfach die Möglichkeit und Anregung zum kreativen Denken erhalten.

Rolle der Lehrkräfte

Lewalter unterstreicht die Bedeutung der Lehrkräfte in diesem Prozess. Wenn Lehrerinnen und Lehrer offen für unterschiedliche Ideen sind und Antworten nicht sofort als richtig oder falsch bewerten, sondern vermeintlich unkonventionelle Lösungsansätze gemeinsam weiterentwickeln, erfahren Schülerinnen und Schüler Wertschätzung für ihre Ideen. Dies fördert nicht nur ihr kreatives Denken, sondern auch ihr Selbstbewusstsein.

Wertschätzung und Entwicklung

Die Wertschätzung von Ideen und die gemeinsame Weiterentwicklung von Lösungsansätzen sind Schlüsselfaktoren. Sie ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, kreatives Denken zu lernen und anzuwenden. Ein solches Unterrichtsklima, in dem Ideen geschätzt und gefördert werden, trägt wesentlich zur Entwicklung kreativer Fähigkeiten bei.

Fazit: Ein integrativer Ansatz zur Förderung kreativen Denkens

Ein integrativer Ansatz, bei dem kreatives Denken in allen Unterrichtsfächern gefördert wird, ist entscheidend. Lehrerinnen und Lehrer spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie eine offene und wertschätzende Lernumgebung schaffen. So können Schülerinnen und Schüler ihre kreativen Fähigkeiten weiterentwickeln und besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet werden.

Weitere Informationen

Die achte Studie des Programme for International Student Assessment (PISA) wurde im Frühjahr 2022 durchgeführt. Die Aufgaben zum kreativen Denken wurden in 63 Staaten bearbeitet, darunter in 28 Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

In den PISA-Studien wird neben den drei Kernkompetenzen jeweils eine weitere Kompetenz getestet. In den vergangenen Studien waren dies verschiedene Arten des Problemlösens und „Global Competence“.

Der deutsche Teil der Studie wird im Auftrag der Kultusministerkonferenz und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom ZIB geleitet, an dem neben der TUM das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) und das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) beteiligt sind.

Die Ergebnisse von PISA 2022 in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften wurden im Dezember 2023 veröffentlicht.


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