Zukunft der Arbeit: Experten raten zur Fokussierung auf Tätigkeitsgesellschaft statt Erwerbsarbeit

Die Zukunft der Arbeit 2024

Wissenschaftliche Perspektiven auf die Arbeitswelt der Zukunft

In einer aktuellen Stellungnahme nehmen die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften sowie die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften eine zentrale Rolle in der Debatte um die Zukunft der Arbeit ein. Sie liefern damit fundierte Orientierungshilfen angesichts der vielschichtigen Krisen, die unsere Arbeitswelt prägen.

Wachsender Qualifizierungsbedarf als Kernthema der Arbeitswelt von morgen

Die Autorinnen und Autoren der aktuellen Empfehlungen richten ihr Augenmerk unter anderem auf einen entscheidenden Aspekt der zukünftigen Arbeitswelt: den stetig wachsenden Qualifizierungsbedarf. In einer sich rapide wandelnden Arbeitsumgebung wird deutlich, dass Aus- und Weiterbildung nicht länger nur ergänzende Bildungsbereiche sind, sondern zunehmend in den Mittelpunkt rücken.

Aus- und Weiterbildung als Schlüsselbereiche für die Zukunft

Die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung wird in den Empfehlungen besonders hervorgehoben. Angesichts der dynamischen Entwicklungen in Technologie und Wirtschaft ist eine kontinuierliche Anpassung der Qualifikationen und Fähigkeiten der Arbeitskräfte unerlässlich. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Förderung von Aus- und Weiterbildung entscheidend ist, um den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden und die Beschäftigungsfähigkeit der Bevölkerung langfristig zu sichern.

Innovative Konzepte für die (Weiter-)Bildungspolitik

Die Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Weiterbildung durch ein Bundesweiterbildungsgesetz markiert einen Wendepunkt in der deutschen Bildungspolitik. Dieses Gesetz soll einen Anspruch auf Bildungszeit, einschließlich Bildungsteilzeit, etablieren und dabei insbesondere Menschen in nicht sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen sowie Personen mit Betreuungspflichten berücksichtigen. Ein solches Gesetz würde die Bedeutung von Weiterbildung hervorheben und ihre Inanspruchnahme stärken, wodurch Weiterbildung als eigenständige Säule des Bildungssystems neben der Erstausbildung etabliert und institutionell verankert werden könnte.

Standardisierung und Zertifizierung in der Weiterbildung

Für allgemein auf dem Arbeitsmarkt verwertbare Qualifikationen sind bundeseinheitliche Regelungen und Verantwortlichkeiten in öffentlicher Hand notwendig. Ein auf Bundesebene angesiedeltes Gremium, das Standards setzt und arbeitsmarktrelevante Module entwickelt, könnte hierbei eine Schlüsselrolle spielen.

Die Einbeziehung der Tarifpartner in diesem Gremium würde Aktualität, Praxisnähe und Übertragbarkeit der erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen sicherstellen. Lokale Weiterbildungen und Zertifikate von Industrie- und Handelskammern könnten spezifische Bedarfe ergänzen. Eine transparente Zertifizierung von Weiterbildungen auf lokaler und bundesweiter Ebene würde zudem die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen erleichtern.

Optimierung der Weiterbildungsberatung

Aktuell sind Beratungsangebote zu geförderter Weiterbildung nur einem begrenzten Personenkreis bekannt und werden selten genutzt. Niedrigschwellige, aufsuchende Beratungsangebote sind daher unerlässlich, um die Inanspruchnahme von Weiterbildungsmaßnahmen zu erhöhen.

Eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und unabhängige Beratungsinfrastruktur fehlt bislang. Ein möglicher Ausgangspunkt könnte die Weiterbildungsberatung der Bundesagentur für Arbeit sein, die in Kooperation mit etablierten Beratungsstrukturen agiert.

Einsatz von KI-Systemen in der Weiterbildungsberatung

Zur Verbesserung der Beratung könnten KI-basierte Systeme eingesetzt werden, um eine optimale Abstimmung zwischen individuellem Profil und verfügbaren Weiterbildungsangeboten zu erreichen.

Dies umfasst die Vernetzung bestehender Weiterbildungsangebote auf digitalen Plattformen, den Abgleich des Lernerfolgs zur Verbesserung der Lernpfade sowie das Matching aufeinander aufbauender Lernmodule auch bei unterschiedlichen Anbietern. Der Einsatz von KI-Systemen in der Aus- und Weiterbildung ist jedoch ein relativ neues Verfahren, und die Effizienz, Effektivität und Qualität der Ergebnisse sind noch nicht vollständig gesichert.


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