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Geringqualifizierte: Wie Bildungs-/Berufsberatung langfristig weiterhelfen kann

 Drei Frauen im Gespräch an einem Tisch

OECD: Deutschland sollte seine Bildungs- und Berufsberatungsangebote für Geringqualifizierte ausbauen

Deutschland sollte sein Beratungsangebot – und insbesondere auch den Zugang dazu – für geringqualifizierte Arbeitskräfte verbessern, damit diese auf dem sich wandelnden Arbeitsmarkt nicht den Anschluss verlieren. Der Bedarf an Berufs- und Weiterbildungsberatung ist in dieser Gruppe besonders hoch. Bestehende Angebote sind aber noch zu wenig auf sie zugeschnitten, so eine aktuelle OECD-Studie.

Die Studie Career Guidance for Low-Qualified Workers in Germany hebt hervor, dass sich in den kommenden 15 Jahren voraussichtlich mehr als jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland (54 Prozent gegenüber einem OECD-Durchschnitt von 47 Prozent) stark verändern oder gar wegfallen wird. Das betrifft insbesondere Routinetätigkeiten. In einer komplexen Weiterbildungslandschaft wie in Deutschland ist Beratung essentiell, um Betroffene mitzunehmen und auf neue Berufsbilder vorzubereiten, die die Digitalisierung, die ökologische Transformation und der demographische Wandel mit sich bringen. Derzeit werden Beratungsangebote vor allem von höherqualifizierten Arbeitskräften genutzt.

Die COVID-19-Pandemie hat ein zusätzliches Schlaglicht auf die Situation der Geringqualifizierten geworfen. Sie haben in der Krise überproportional häufig ihre Beschäftigung verloren und werden vermutlich später vom Aufschwung profitieren als andere Gruppen.

Wie die Studie zeigt, hat Deutschland insgesamt ein breites Angebot an Berufs- und Bildungsberatung, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Bundesländern. Angebotslücken auf Landesebene sollen nun nach und nach durch die Lebensbegleitende Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit geschlossen werden. Problematisch ist, dass nur wenige Angebote auf die Bedürfnisse Geringqualifizierter zugeschnitten sind. Dabei zeigt der Erfolg kleinerer Pilotprojekte, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen und Berlin, wie sehr Geringqualifizierte von entsprechenden Angeboten profitieren. Das gilt insbesondere dann, wenn die Beratungsangebote ganzheitlich gestaltet sind, das heißt mit weiteren Beratungsangeboten gekoppelt werden (wie z.B. Schuldnerberatung, Familienhilfe, Wohnhilfe etc.).

Die Studie empfiehlt deshalb, Beratungsangebote besser zu vernetzen und eine bundesweit einheitliche Marke für entsprechende Angebote zu entwickeln. Auch gilt es, die Angebote weit stärker als bisher zu bewerben, denn häufig sind sie jenen, an die sie sich richten, nicht bekannt. Sinnvoll ist eine aufsuchende Beratung. Unternehmen tendieren dazu, eher hochqualifizierte Mitarbeiter*innen zu fördern. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sollten deshalb bei der Entwicklung von Mentoring- und Coaching-Programmen unterstützt werden, die sich gezielt an geringqualifizierte Mitarbeiter*innen richten. Die Studie empfiehlt darüber hinaus, dass Beschäftigte ihren Bildungsurlaub auch für Beratungsangebote nutzen dürfen.

Gleichzeitig, so betont die Studie, ist es wichtig, die Heterogenität der Zielgruppe im Blick zu behalten. Die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Wünsche geringqualifizierter Personen sind sehr unterschiedlich. Es braucht qualifizierte Berater*innen, die der Herausforderung gewachsen sind und die vielfältigen Hürden kennen, vor denen viele Menschen in Bezug auf die Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft stehen.