Politisches Vertrauen und das Empfinden gesellschaftlicher Ausgrenzung
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Ein stabiles Fundament aus Vertrauen bildet die Voraussetzung für eine funktionsfähige Demokratie
Aktuelle Daten des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) belegen, dass das Vertrauen in staatliche Institutionen in der zweiten Lebenshälfte stark variiert. Während Polizei und Justiz hohe Zustimmungswerte verzeichnen, korrelieren geringe Einkommen und das Gefühl sozialer Exklusion deutlich mit politischer Skepsis.
Institutionelle Neutralität als Vertrauensfaktor
Die Untersuchung aus dem Wintes 2023/24 zeigt eine klare Hierarchie in der Vertrauensbewertung. Rund 86 Prozent der Befragten bringen der Polizei Vertrauen entgegen, gefolgt von der Wissenschaft mit etwa 82 Prozent und der Justiz mit fast 79 Prozent. Diese Institutionen gelten als weitgehend unparteiisch und sind weniger in tagespolitische Konflikte eingebunden.
Im Gegensatz dazu erzielen politische Parteien mit rund 22 Prozent und Medien mit knapp 30 Prozent die geringsten Werte. Repräsentative Organe wie der Bundestag oder die Bundesregierung liegen mit Werten zwischen 35 und 40 Prozent im Mittelfeld.

Sozioökonomische Einflüsse und regionale Unterschiede
Das Vertrauensniveau ist eng mit der ökonomischen Situation verknüpft. Gemäß der »Gewinnerhypothese« entwickeln Personen mit höheren Ressourcen ein stärkeres Vertrauen in das System, da sie stärker von politischen Entscheidungen profitieren und Risiken besser abfedern können. So vertrauen Menschen mit hohen Einkommen dem Bundestag zu 59 Prozent, während dieser Wert bei armutsgefährdeten Personen auf unter 21 Prozent sinkt.
Regional betrachtet zeigen sich in Ostdeutschland weiterhin niedrigere Vertrauenswerte gegenüber der Justiz, dem Bundestag und der Bundesregierung. Neben ökonomischen Faktoren spielen hier spezifische Sozialisationserfahrungen und biografische Brüche nach der Wiedervereinigung eine wesentliche Rolle.
Die Bedeutung sozialer Zugehörigkeit
Ein zentraler Befund der Studie ist der Zusammenhang zwischen wahrgenommener sozialer Exklusion – also dem Gefühl, nicht zur Gesellschaft zu gehören – und politischem Misstrauen. Personen, die sich ausgeschlossen fühlen, vertrauen Institutionen signifikant seltener. Diese Differenz ist mit bis zu 28 Prozentpunkten stärker ausgeprägt als Unterschiede zwischen Altersgruppen oder Geschlechtern.
Da Exklusionsgefühle während der Corona-Pandemie zugenommen haben, ergibt sich daraus eine bildungspolitische Notwendigkeit. Die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe durch niedrigschwellige Angebote und transparente Kommunikation kann dazu beitragen, das Empfinden eines »Systems der anderen« zu reduzieren und den demokratischen Zusammenhalt langfristig zu sichern.
Bibliographie
Klasen, L. J., Kelle, N., Bünning, M. & Keller, N. (2026). Politisches Vertrauen und wahrgenommene soziale Exklusion in der zweiten Lebenshälfte [DZA Aktuell 01/2026]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen.
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