Fachkräftemangel: Mit Kooperation statt Konkurrenz dem Studienabbruch entgegenwirken

Studentin liest in Wörterbuch

Lösungswege zur Reduzierung von Studienabbrüchen und Stärkung der Bildungswege: Kooperationen und individuelle Orientierung

Mehr als ein Viertel aller Studienanfänger*innen in Deutschland verlässt das Hochschulsystem ohne Abschluss. In einigen Universitätsstudiengängen liegt die Abbruchquote im Studium sogar bei bis zu 50 Prozent.

Ein Beitrag des CHE Centrum für Hochschulentwicklung im Rahmen der Reihe DUZ Spotlight in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DUZ zeigt Lösungswege zum Thema Studienabbruch auf. Hierzu gehören konkrete Übergangswege für Studienzweifelnde in die berufliche Bildung und mehr Kooperation statt Konkurrenz zwischen Hochschulen und Akteuren der beruflichen Bildung.

Mehr als ein Viertel der Bachelorstudierenden in Deutschland bricht das Studium ab. Eine Untersuchung des Studienverlaufs des Erstsemesterjahrgangs 2016/17 durch das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) ergab, dass 28 Prozent das Hochschulsystem ohne Abschluss verlassen hat. Hochgerechnet auf die aktuellen Zahlen ergibt das rund 130.000 Studienabbrüchen pro Jahrgang.

»Angesichts des Fachkräftemangels können wir uns eine solch hohe Quote an Studienabbrüchen ebenso wenig leisten wie einen Konkurrenzkampf zwischen akademischer und beruflicher Bildung auf dem Rücken der Abiturient*innen«, mahnt Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Die von den Studienabbrechenden häufig genannten Gründe wie Leistungsprobleme oder mangelnde Motivation deuten laut den CHE Autor*innen des Spotlight-Beitrags auf ein »Matching-Problem« hin. Das bedeutet, die Selbstzuordnung der Abiturient*innen für ein Studium bzw. ein bestimmtes Studienfach erweist sich als unpassend.

Für eine individuell passende Studien- und Berufsorientierung bedarf es nach Ansicht des CHE eine ergebnisoffene Beratung, die alle verfügbaren Bildungswege nachschulischer Bildung berücksichtigt sowie Übergänge zwischen den beiden Ausbildungssystemen schafft.

Wie es gelingen kann, dass jede*r Abiturient*in den für sie bzw. ihn passenden Bildungsweg einschlagen kann und wie Studierende beim Umstieg von Studium in Ausbildung unterstützt werden können, zeigt das Themendossier anhand von drei regionalen Programmen für potenzielle Studienabbrecher*innen.

Sowohl bei »move!« in Düsseldorf, als auch bei »Umsteigen statt Aussteigen« in Hannover kooperieren Hochschulen mit Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern oder Arbeitsagenturen. Auf SWITCH in Aachen verweist die RWTH Aachen im Bereich Studienzweifel, wenn auch hier keine offizielle Kooperation vorhanden ist. Neben gezielter Beratung und Vermittlung in Unternehmen kann im Rahmen dieser Kooperationen durch Anrechnung erbrachter Studienleistungen die neu begonnene Ausbildung um bis zu 18 Monate verkürzt werden.

Weitere regionale und lokale Modelle setzen bereits früher an und bieten Studien- und Berufsorientierung in Kombination oder eröffnen sogar die Möglichkeit, einen beruflichen und akademischen Abschluss parallel zu erwerben. So können etwa an der Beruflichen Hochschule Hamburg in einem studienintegrierten Modell entweder ein Berufs- oder ein Hochschulabschluss beziehungsweise sogar beide Abschlüsse in Kombination erworben werden

Damit diese Ansätze auch flächendeckend greifen können, brauche es aber zusätzlich eine Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung sowie eine gleichberechtigte und ergebnisoffene Beratung zu Studium und Ausbildung. Hier sieht das CHE neben den Schulen und den Arbeitsagenturen auch die Hochschulen und Akteure beruflicher Ausbildung in der Verantwortung.

»Die Bildungsinteressierten von heute wollen zurecht das beste aus Theorie und Praxis, aus akademischer und beruflicher Bildung. Dazu brauchen wir in Deutschland noch mehr Schnittstellen, Übergänge und eine wechselseitige Anerkennung bisher erworbener Kompetenzen«, fordert Frank Ziegele. »Erst in einem gemeinsamen System nachschulischer Bildung ist dann ein Wechsel vom Studium in die Ausbildung ein normaler individueller Weg einer Bildungsbiografie und wird nicht mehr als Studienabbruch und als persönliches Scheitern beurteilt.«


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