Studienabschluss steigert Einkommen, berufliches Ansehen und Lebenszufriedenheit

Studie zu den Auswirkungen eines Hochschulstudiums
Schätzungen zufolge verlassen in Deutschland drei von zehn Studierenden die Hochschulen ohne Abschluss. Im Vergleich mit Hochschulabsolvent*innen haben Personen mit abgebrochenem Studium im Arbeitsleben sowohl ein geringeres Einkommen als auch ein geringeres berufliches Ansehen. Zudem liegt die allgemeine Lebenszufriedenheit von Studienabbrecher*innen auf einem niedrigeren Niveau. Erwerbstätige mit einem abgeschlossenen Studium arbeiten auch mehr Stunden pro Woche.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des ZEW Mannheim, in der die Wissenschaftler*innen mittel- und langfristige Konsequenzen eines Studiums ohne Abschluss analysieren.
Die Studie ist Teil des mit Mitteln aus der Förderlinie »Studienabbruch und Studienerfolg« vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsvorhabens »Analysen zu Kosten und Erträgen von Fachwechsel und Studienabbruch«.
Für die Untersuchung wurden einerseits die Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Hochschulabschluss miteinander verglichen. Andererseits vergleicht die Studie Personen, die ein Studium abgebrochen haben, mit Erwerbstätigen, die trotz Hochschulzugangsberechtigung nicht studiert haben. Die geschätzten Unterschiede in der Studie basieren auf einer ökonometrischen Methode, welche eine größtmögliche Vergleichbarkeit zwischen den Untersuchungsgruppen sicherzustellen versucht.
Studienabschluss ist lohnende Investition ins zukünftige Einkommen
Der Studie zufolge unterscheiden sich Erwerbstätige, die die Hochschule ohne Abschluss verlassen haben, in den vier untersuchten Ergebnisgrößen Arbeitszeit, Lohn, Prestige des im Erwerbsleben ausgeübten Berufs, und Lebenszufriedenheit kaum von Erwerbstätigen mit Studienberechtigung, die nie studiert haben. Zwar ist die Lebenszufriedenheit der Studienabbrecher*innen um durchschnittlich 2,8 Prozent geringer. Dafür ist die Kennzahl für das Ansehen des im Erwerbsleben gewählten Berufs aber im Schnitt um 5,0 Prozent höher. Beim Bruttolohn und bei der Arbeitszeit konnten zwischen diesen beiden Gruppen von Erwerbstätigen keine statistisch signifikanten Unterschiede festgestellt werden.
Erwerbstätige mit einem abgeschlossenen Studium erzielen im Vergleich zu den beiden vorab genannten Personengruppen im Durchschnitt signifikant höhere Bruttolöhne (plus 35 Prozent) und arbeiten länger (plus 2,2 Stunden pro Woche). Zudem erreichen sie ein höheres Berufsprestige sowie eine moderat höhere allgemeine Lebenszufriedenheit. »Ein Studium mit Abschluss ist demnach eine lohnende Investition in das zukünftige Einkommen, die mit der Zahl der Arbeitsstunden noch gesteigert werden kann«, sagt Julia Heigle, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich »Arbeitsmärkte und Personalmanagement« und Mitautorin der Studie.
Hochschulabsolventen ergreifen Berufe mit höherem Ansehen
Der Untersuchung liegt eine Stichprobe von 1.670 Erwerbstätigen zwischen 25 und 65 Jahren mit einer Hochschulzugangsberechtigung zugrunde. Verwendet werden Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2016. Die Wissenschaftler*innen nutzen maschinelle Lernverfahren, um die Auswirkungen eines abgebrochenen beziehungsweise abgeschlossenen Studiums auf den beruflichen Erfolg und die Lebenszufriedenheit abzuschätzen.
Sowohl ehemalige Studienabbrecher*innen als auch Erwerbstätige ohne Studium arbeiten überwiegend als Techniker und in gleichrangigen nichttechnischen Berufen, etwa in der Krankenpflege oder in der Verwaltung. Studienabbrecher*innen sind jedoch etwas häufiger als Fachkräfte in der Organisation oder Unternehmensberatung tätig. Im Vergleich dazu erreichen Erwerbstätige mit einem Hochschulabschluss das höchste Berufsprestige, indem sie etwa als Mediziner*innen, Lehrer*innen oder in anderen akademischen Berufen tätig sind.
»Erwerbstätige mit einem Studienabschluss erzielen durchschnittlich in den untersuchten Punkten höhere Arbeitsmarktergebnisse, im Vergleich zu Erwerbstätigen mit einem Studium ohne Abschluss. Könnten potenzielle Studienabbrecher*innen noch stärker als bisher dabei unterstützt werden, die Hochschule mit einem Abschluss zu verlassen, wären im Mittel positive Wirkungen für die potenziell Betroffenen zu erwarten«, fasst PD Dr. Friedhelm Pfeiffer, kommissarischer Leiter des ZEW-Forschungsbereichs »Arbeitsmärkte und Personalmanagement« und ebenfalls Mitautor der Studie die Ergebnisse zusammen.
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