Wenn die Berufsausbildung zum Nachteil wird

Menschen mit einer berufsspezifischen Ausbildung haben in jungen Jahren höhere Beschäftigungschancen als Personen, die allgemeinbildende Programme absolviert haben. Aber wenn die spezifischen beruflichen Kompetenzen im Laufe der Zeit im technischen und strukturellen Wandel nicht mehr nachgefragt werden, so erhöht sich später die Gefahr, die Arbeit zu verlieren.
Das ist das Ergebnis einer neuen Länderstudie von Franziska Hampf und Ludger Wößmann vom ifo Zentrum für Bildungsökonomik, die am 13.10.2016 veröffentlicht wurde.
»Um unser duales System zukunftsfähig zu halten, sollten wir die frühe Spezialisierung der Auszubildenden verringern, indem wir die Zahl der spezifischen Berufe senken, den allgemeinbildenden Anteil an den Inhalten ausweiten, Ausbildungsbestandteile modularisieren und die lebenslange Weiterbildung stärken«, sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik.
Von den 16 teilnehmenden Ländern sind die Ergebnisse in jenen Ländern besonders stark ausgeprägt, die – wie Deutschland – ein duales Berufsausbildungssystem haben. In diesen Ländern dreht sich der Beschäftigungsvorteil der beruflichen Ausbildung schon im Alter von 44 Jahren in einen Beschäftigungsnachteil um. Die neuen Ergebnisse bestätigen frühere Befunde, die einen ähnlichen Konflikt im Lebensverlauf für die 1990er Jahre belegt hatten. Auch nach den Veränderungen am Arbeitsmarkt durch Globalisierung, Digitalisierung und Rentenreformen scheint die berufsspezifische Ausbildung nun den Übergang von der Schul- in die Arbeitswelt zu erleichtern, aber gleichzeitig die Anpassungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer an eine sich ändernde Wirtschaft zu verringern.
Hintergrund
Für ihre Studie analysieren die Autoren die Daten des Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC), das von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2011/12 durchgeführte sogenannte »Erwachsenen-PISA«.
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