Berufliche Ansprechbarkeit an den Feiertagen: Zahlen und Entwicklungen

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Weihnachtsruhe unter Druck: Warum viele Beschäftigte trotz Urlaub erreichbar bleiben

Eine aktuelle Bitkom-Untersuchung zeigt: Trotz verbreitetem Weihnachtsurlaub bleibt ein großer Teil der Beschäftigten beruflich ansprechbar – wenn auch rückläufig.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern, pandemiebedingte Verschiebungen und klare Präferenzen bei Kommunikationskanälen prägen das Bild.

Rückläufige Erreichbarkeit während der Feiertage

Aktuelle Daten des Digitalverbands Bitkom machen deutlich, dass viele Beschäftigte an den Feiertagen nicht vollständig abschalten. Zwar hätten 71 Prozent der Berufstätigen zu Weihnachten frei, jedoch blieben 43 Prozent dienstlich erreichbar. Nur 54 Prozent nutzten den Urlaub nach eigener Aussage zum vollständigen Abschalten.

Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1.002 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, davon 532 Berufstätige. Die Ergebnisse belegen einen klaren Trend: Die Erreichbarkeit im Weihnachtsurlaub geht seit Jahren zurück.

Geschlechterunterschiede bei der beruflichen Reaktion

Zwischen den Geschlechtern zeigen sich deutliche Unterschiede. Unter berufstätigen Männern mit Urlaub reagierten 38 Prozent auf berufliche Anfragen. Bei Frauen lag der Wert mit 48 Prozent deutlich höher.

Diese Differenz deutet auf unterschiedliche Rollenbilder und Erwartungen hin, die sich im beruflichen Alltag fortsetzen.

Pandemieeffekte und langfristige Entwicklung

Vor der Coronapandemie lag der Anteil der im Weihnachtsurlaub erreichbaren Beschäftigten noch bei 71 Prozent (2019). Im Jahr 2020 sank er auf 61 Prozent und blieb in den Folgejahren stabil bei etwa der Hälfte. Auch im Vergleich zu 2024 gehe die Erreichbarkeit weiter zurück.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder habe betont, Urlaub diene der Erholung und ständige Erreichbarkeit verhindere dies. Klare Absprachen im Team würden laut Rohleder helfen, die Feiertage entspannter zu gestalten.

Formen der Erreichbarkeit im Überblick

Die meisten Beschäftigten bleiben im Urlaub schriftlich erreichbar. 42 Prozent lesen Kurznachrichten wie SMS oder WhatsApp, 40 Prozent prüfen dienstliche E-Mails. 38 Prozent nehmen trotz Urlaub Anrufe entgegen. Videotelefonate (14 Prozent) oder Kollaborationstools wie Teams oder Slack (12 Prozent) spielen dagegen eine geringere Rolle.

Dies zeigt, dass niedrige Schwellen der Kommunikation die höchste Bindung an den Job erzeugen.

Resümee

Die Zahlen machen deutlich, dass Weihnachtsurlaub zunehmend zur echten Erholungszeit wird – jedoch nicht für alle. Der Rückgang der Erreichbarkeit ist ein positives Signal, gleichzeitig bleibt die Belastung für viele bestehen. Transparente Absprachen und eine klare Erwartungshaltung können dazu beitragen, dass mehr Menschen über die Feiertage wirklich ausspannen.


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