DIGITAL-INDEX 2023/24: Die deutsche Gesellschaft wird digitaler

Initiative D21

Trotz fortschreitender Transformation stehen die Deutschen der Digitalisierung skeptischer gegenüber

Laut dem aktuellen D21-Digital-Index ist die deutsche Gesellschaft auf ihrem digitalen Weg weiter vorangeschritten und zeigt sich zukunftsresilient. Die Erhebung des Indexes, die jährlich stattfindet, offenbart, dass ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland aktiv an der digitalen Welt partizipiert und in der Lage ist, digitale Angebote eigenständig zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Dieses Jahr erreicht der Digital-Index einen Wert von 58 Punkten, was einer leichten Steigerung um einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Herausforderungen bei der digitalen Resilienz

Die Resilienz der Bevölkerung gegenüber dem digitalen Wandel zeigt laut der neuesten Auswertung des D21-Digital-Index eine rückläufige Tendenz. Insbesondere die Abnahme der positiven Einstellungen, die für das Durchstehen des digitalen Wandels essentiell sind, trägt zu dieser Entwicklung bei.

Die Gesellschaft spaltet sich dabei zunehmend in zwei Gruppen: Eine Mehrheit von 52 Prozent steht der Digitalisierung skeptisch oder gar ablehnend gegenüber, während 47 Prozent dieser Entwicklung offen und optimistisch gegenüberstehen. Die Studie, durchgeführt von Kantar für die Initiative D21 e.V., warnt, dass eine wachsende Zurückweisung des digitalen Fortschritts und ein daraus resultierender Rückzug Risiken für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft sowie für Wirtschaft und Staat darstellen.

Digitaler Wandel und berufliche Zukunft

Der D21-Digital-Index beleuchtet die essenzielle Bedeutung der Digitalisierung für die Zukunftsfähigkeit und den Wohlstand in Deutschland, stößt dabei jedoch auf signifikante Herausforderungen. Ein markantes Beispiel hierfür ist der sogenannte "Vogel-Strauß-Effekt": Eine deutliche Mehrheit der Berufstätigen, 76 Prozent, erkennt, dass die Digitalisierung bis 2035 zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen führen kann. Dennoch sehen nur 23 Prozent die eigene Position durch diesen Wandel gefährdet, was auf eine weit verbreitete Unterschätzung der Notwendigkeit zur persönlichen Weiterbildung hinweist.

Trotz der Erwartung von 43 Prozent der Berufstätigen, dass Unternehmen durch Weiterbildungen zur Bewältigung des digitalen Wandels beitragen sollten, bleibt die Nutzung solcher Angebote mit 18 Prozent auf einem niedrigen Stand. Diese Diskrepanz birgt das Risiko sinkender Beschäftigungschancen in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt, insbesondere da bereits 61 Prozent der Berufstätigen auf digitale Kompetenzen in ihrem Beruf angewiesen sind.

Die Zuversicht in die Effektivität der Maßnahmen, die innerhalb der eigenen Organisationen ergriffen werden, um mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten, hat abgenommen: Nur 54 Prozent sind der Meinung, dass die aktuellen Bemühungen ausreichen, ein Rückgang um vier Prozentpunkte. Parallel dazu schwindet das Vertrauen in das Bildungssystem; lediglich 28 Prozent der Bürgerinnen und Bürger vertrauen darauf, dass Schulen die erforderlichen digitalen Kompetenzen für eine internationale Wettbewerbsfähigkeit vermitteln, ein deutlicher Abfall im Vergleich zu 36 Prozent im Jahr 2019.

Künstliche Intelligenz: Große Chancen, große Risiken

Die Einführung von ChatGPT markiert einen Wendepunkt in der gesellschaftlichen und diskursiven Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz im Jahr 2023. Bemerkenswert ist, dass bereits im ersten Halbjahr nach dessen Lancierung nahezu 20 Prozent der Menschen ChatGPT genutzt haben, was das unmittelbare Potenzial von KI für den Einzelnen unterstreicht.

Von den Nutzenden griffen 47 Prozent auf ChatGPT für Texterstellung und kreative Schreibprozesse zurück. Indessen verwendeten 43 Prozent die Plattform als Informationsquelle oder Ersatz für traditionelle Suchmaschinen. Trotz der breiten Anwendung ist jedoch zu beachten, dass die dabei erzielten Ergebnisse nicht durchweg zuverlässig sind, was eine kritische Reflexion der Nutzer erfordert.

Eine digital resiliente Gesellschaft als politisches Zielbild

Während der D21-Digital-Index eine gewisse Souveränität der Gesellschaft im Umgang mit der digitalen Welt aufzeigt (58 von 100 Punkten, ein Anstieg um einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr), verharrt die Offenheit gegenüber digitalen Neuerungen auf einem gleichbleibenden Niveau oder erfährt sogar in bestimmten Gruppen einen Rückgang. Dies deutet auf eine emergente digitale Spaltung hin, die sich zwischen denjenigen, die den digitalen Wandel annehmen, und denjenigen, die sich davon distanzieren, aufspannt.

Besonders betroffen von dieser digitalen Kluft sind Bürgerinnen und Bürger mit geringerer formaler Bildung sowie mit niedrigerem Einkommen. Der D21-Digital-Index legt offen, dass diese Gruppen weniger gut auf die Anforderungen der digitalen Welt vorbereitet sind und sich häufiger von den rapiden Veränderungen überfordert fühlen.

Hintergrund
Der D21-Digital-Index 2023/2024 ist eine repräsentative Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar. Sie erfasst die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren in Privathaushalten (Strukturbefragung n=33.578 / Vertiefungsbefragung n=6.455) und erfolgt durch computergestützte persönlich-mündliche Interviews (CAPI) und computergestützte Online-Interviews (CAWI). Die Strukturbefragung fand zwischen August 2022 und Juli 2023 statt, die Vertiefungsbefragung im Juli 2023.

Die Studie ist finanziert durch eine Partnerschaft aus öffentlichen und privatwirtschaftlichen Organisationen. Förderer: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz // Premiumpartner*innen: aconium GmbH, Atruvia AG, Deloitte Consulting GmbH, HUAWEI TECHNOLOGIES Deutschland GmbH, ING Deutschland, Telefónica Germany GmbH & Co OHG // Classic Partner*innen: BARMER, Bertelsmann Stiftung, Capgemini Deutschland GmbH, CHG-MERIDIAN AG, Materna Information & Communications SE, Microsoft Deutschland GmbH // Unterstützer*innen: 365 Sherpas GmbH, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Deutsche Telekom AG, Didacta Ver-band e. V. – Verband der Bildungswirtschaft, Haufe Group SE, Hochschule Darmstadt University of Applied Science, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V., KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Landesbetrieb IT.Niedersachsen, mc-quadrat Markenagentur und Kommunikationsberatung e. K., PwC Strategy& (Germany) GmbH.


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