Studie: Jede vierte Schulleitung will ihre Schule verlassen

schulleitungsmonitor

Schulleitungsmonitor Deutschland – Zentrale Ergebnisse der Erhebung 2022

Mehr Schulleitungen wollen ihrer Schule den Rücken kehren, nur knapp die Hälfte hat eine formale staatliche Qualifizierung durchlaufen und ihr Vertrauen in die Bildungsadministration ist gesunken.

Zu diesen Ergebnissen kommt die repräsentative Studie »Schulleitungsmonitor Deutschland«.

Jede vierte Schulleitung denkt darüber nach, die eigene Schule zu verlassen. Damit ist der Anteil der wechselwilligen Schulleitungen im Vergleich zu einer repräsentativen Vorläuferstudie seit 2019 um 8 Prozentpunkte gestiegen.

Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Studie »Schulleitungsmonitor Deutschland«, in der 1.007 Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen aller Schulformen aus allen Bundesländern befragt wurden. Der »Schulleitungsmonitor Deutschland« wurde von der Wübben Stiftung Bildung bei der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz in Auftrag gegeben. Er wird als Kooperationsprojekt mit der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Tübingen und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg durchgeführt.

Als Gründe für den Wechsel nennen die Schulleitungen mangelnde Unterstützung (48 Prozent), eine nicht angemessene Bezahlung (41 Prozent) und den Wunsch nach beruflicher Entwicklung (40 Prozent). Etwa ein Drittel gibt als Wechselmotiv die schlechten Arbeitsbedingungen an.

Knapp jede zweite Schulleitung hat keine formale Qualifikation

Um professionell handeln zu können, ist es zentral, dass Schulleitungen für ihre Tätigkeiten entsprechend qualifiziert werden. Allerdings zeigt der »Schulleitungsmonitor Deutschland«, dass 88 Prozent der Schulleitungen für diese Tätigkeit keine beruflich relevante Qualifizierung an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen durchlaufen haben. Darüber hinaus hat lediglich etwas mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Befragten eine formale Qualifikation an einem Landesinstitut abgeschlossen.

Studie: »Fortbildungen empfinden viele Schulleitungen besonders wirkungsvoll, wenn sie die Gelegenheit bieten, sich auszutauschen, die Inhalte praxisnah und anwendbar sind und Raum ist, um das eigene Handeln zu reflektieren«.

Dr. Markus Warnke, Geschäftsführer der Wübben Stiftung Bildung, erklärt dazu: »Gute Schulen brauchen gute Schulleitungen. Deshalb ist es unerlässlich, Schulleitungen für ihre Aufgabe zu qualifizieren. Die Verwaltung muss die Schulleitungen mehr unterstützen und bessere Arbeitsbedingungen für sie schaffen. Denn bei dem aktuellen Personalmangel können wir es uns nicht erlauben, noch mehr Schulleitungen zu verlieren.«

Vertrauenskrise in Zusammenarbeit mit Bildungsadministration

Negativ entwickelt hat sich dem »Schulleitungsmonitor Deutschland« zufolge das Vertrauen, das Schulleitungen in Personen der Bildungsadministration haben. Es ist mit Blick auf repräsentative Vorläuferstudien in den vergangenen drei Jahren gesunken. Insbesondere die Schulaufsicht bekommt hier schlechte Bewertungen: Rund 40 Prozent der befragten Schulleitungen vertreten den Standpunkt, dass man sich nicht immer auf die Schulaufsicht verlassen oder ihr vertrauen kann.

Zudem stimmen lediglich 39 Prozent der Aussage (eher) zu, dass die Schulaufsicht immer wohl überlegte Entscheidungen trifft. Das Vertrauen in Mitarbeitende ist hingegen groß: Die überwiegende Mehrheit der Schulleitungen hat ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihren Mitarbeitenden und nimmt die Lehrkräfte an ihren Schulen als kompetent, ehrlich, zuverlässig und einsatzbereit wahr.

Prof. Dr. Pierre Tulowitzki, Leiter der Studie, erklärt dazu: »Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung für die Arbeitszufriedenheit, aber auch die Bereitschaft, Neues zu wagen und zu innovieren. Das vorhandene Vertrauen der Schulleitungen in die Lehrkräfte bietet eine gute Grundlage für entwicklungs- und zukunftsorientierte Schulen. Doch damit Schulentwicklung gelingen kann, braucht es auch vertrauensvolle Beziehungen zwischen den Schulleitungen und der Bildungsadministration. Die aktuelle Befragung zeigt, dass diese oftmals gestört sind. Hier besteht Handlungsbedarf, ansonsten droht eine Vertrauenskrise.«

Hintergrund
Ziel des »Schulleitungsmonitor Deutschland« ist es, die Arbeitssituation und das Handeln von Schulleitungen in Deutschland zu erfassen. Inhaltlich knüpft er an das Forschungsprojekt »Leadership in German Schools« (LineS) an, in deren Rahmen zwischen 2019 und 2021 bereits Schulleitungen mit Blick auf ihre Karriereverläufe befragt wurden. Innerhalb der Wübben Stiftung Bildung wird der »Schulleitungsmonitor Deutschland« vom impaktlab, der wissenschaftlichen Einheit der Stiftung, verantwortet.


Frauenanteil in Hochschulleitungen steigt
Die Frauenquote an staatlichen Hochschulen in Deutschland hat einen Wert von 32 Prozent erreicht. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) hervor. Im Dezember 2023 lag die Quote bei 32 Prozent. Die...
Studie »Schulleitungsmonitor Deutschland« wird fortgeführt
Die repräsentative Studie »Schulleitungsmonitor Deutschland« wird auch im kommenden Jahr durchgeführt. Die Wübben Stiftung Bildung hat die Fortführung der Studie im Februar 2024 bei der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz...
Integration von Quer- und Seiteneinsteigern: Eine Herausforderung für Schulleitungen im MINT-Bereich
Potenziale nutzen: Die Rolle der Schulleitungen bei der Eingliederung von MINT-Quereinsteigern Schulleitungen kommt eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, Quer- und Seiteneinsteiger systematisch ins Kollegium zu integrieren und ihre...

.