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Fünf Impulse für eine bessere Lernortkooperation

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Betriebe, Berufsschulen und andere Bildungseinrichtungen sind gesetzlich zur Lernortkooperation verpflichtet.

Forschungen der 90er und 2000er Jahre zeigen allerdings, dass die Lernortkooperation in der Regel hinter den Erwartungen der beteiligten Akteure zurückbleibt. So besteht häufig überhaupt kein Kontakt zwischen den Partnern oder lediglich dann, wenn Probleme auftauchen. Wie lässt sich die Lernortkooperation verbessern? Und wie können digitale Medien dabei helfen? Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) hat dazu fünf Empfehlungen formuliert.

Betriebe, Berufsschulen und andere Bildungseinrichtungen sind gesetzlich zur Lernortkooperation verpflichtet. Diese ist in erster Linie im Interesse der Auszubildenden: Sie erhalten zusätzliche Bildungschancen, die über das Angebot im eigenen betrieblichen Umfeld hinausgehen. Darüber hinaus bietet die Lernortkooperation auch Betrieben und Berufsschulen einen Mehrwert. Der Unterricht wird praxisorientierter und trägt dazu bei, dass umfassender ausgebildete Nachwuchskräfte aus der Ausbildung hervorgehen.

Forschungen der 90er und 2000er Jahre zeigen allerdings, dass die Lernortkooperation in der Regel hinter den Erwartungen der beteiligten Akteure zurückbleibt. So besteht häufig überhaupt kein Kontakt zwischen den Partnern oder lediglich dann, wenn Probleme auftauchen.

Wie lässt sich die Lernortkooperation verbessern? Und wie können digitale Medien dabei helfen? Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) hat die folgenden fünf Empfehlungen formuliert:

1. Persönlichen Kontakt intensivieren und verstetigen

Lehrkräfte sollten betriebliche Strukturen und betriebliche Ausbilder*innen sollten schulische Strukturen kennen. Das schafft gegenseitiges Verständnis, außerdem stärkt der persönliche Kontakt das Vertrauen und erleichtert die Kontaktaufnahme. Er lässt sich herstellen und verstetigen durch regelmäßige persönliche Treffen, Schul- und Betriebsbesichtigungen, Praktika für Lehrkräfte in Betrieben oder durch Arbeitskreise, z. B. Zusammenarbeit in Prüfungsausschüssen.

2. Kooperationsformen schaffen, die als Mehrwert wahrgenommen werden

Das ist insbesondere dann von hoher Bedeutung, wenn betriebliche Ausbilder*innen und Lehrkräfte für die Lernortkooperation nicht freigestellt werden. Wenn ein klarer Mehrwert, etwa eine Arbeitserleichterung, geschaffen wird, steigt die Motivation zur aktiven Beteiligung. Wurde ein Mehrwert identifiziert, sollte dieser in gemeinsamen Zielvereinbarungen festgehalten werden.

3. Promotoren finden und im Netzwerk integrieren

Aktuell wird das Netzwerk der Lernortkooperation häufig durch Berufsschulen oder Bildungsdienstleister gesteuert. Für diese Rolle prädestiniert sind aber auch größere Betriebe, die etwa als Anbieter von Verbundausbildung auftreten und für eine lernortübergreifende Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben und Berufsschulen offen sind. Mit ihren hauptamtlichen Ausbilder*innen und ihren Lehrwerkstätten können sie einen Mittelpunkt bilden und umfassende Ressourcen für die Lernortkooperation bereitstellen.

4. Digitale Medien einbinden

Beispiele dafür sind digitale Berichtshefte, Klassenbücher und Lernplattformen. Voraussetzung ist, dass Klassenräume zunächst flächendeckend mit digitalen Lernmedien ausgestattet werden und Datenschutzfragen rechtssicher geklärt sind. Kollaborationssysteme für Videokonferenzen und Datenaustausch gilt es zu etablieren, der Aufbau von Lernfabriken ist zu forcieren. Berufsschulen können das finanziell nicht alleine leisten. Helfen könnten (weitere) öffentliche Förderprogramme, etwa der im neuen Koalitionsvertrag benannte Digitalpakt 2.0.

5. Ausbildungskultur mit Fokus auf Digitalisierung etablieren

Wenn neue digitale Technik eingesetzt wird, gilt es das Ausbildungspersonal fortzubilden – diese Fortbildungen können lernortübergreifend organisiert sein und auf diese Weise zur Lernortkooperation beitragen. Lernortübergreifende Projekte und der wechselseitige Know-how-Transfer fördern eine Ausbildungskultur, die den Austausch von Ressourcen unterstützt. Lernorte begreifen sich nicht als Konkurrenten. Es entsteht, getragen von Lernplattformen und modernen Lehr-/Lernkonzepten, eine Ausbildung 4.0.

 

Hintergrund
Die Impulse sind Teil der Publikation »Digital und regional vernetzt – Ansätze zur Optimierung der Lernortkooperationen in der beruflichen Bildung«. Sie werden dort mit Beispielen guter Praxis illustriert. Der Leitfaden richtet sich an die Bildungspraxis, insbesondere an Ausbildungsverantwortliche in Betrieben, Lehrkräfte an Berufsschulen, Überbetriebliche Bildungseinrichtungen und Bildungsdienstleister sowie Kammern.

Neben dem Leitfaden wurde im Projekt auch der LoK-DiBB-Selbstcheck entwickelt. Dieser dauert etwa 20 Minuten. Nutzer*innen erhalten nach Beantwortung der Fragen Handlungsempfehlung zur Verbesserung der individuellen Lernortkooperation. Beide Instrumente entstanden im Projekt »Bedingungen gelingender Lernortkooperationen im Kontext der Digitalisierung in der beruflichen Bildung« (LoK-DiBB). Sie sind dank Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung kostenfrei.