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Forschungsprojekt belegt: Qualität beruflicher Bildung lässt sich systematisch erfassen

IBB Bremen

Felix Rauner leitet internationales Forschungsprojekt über Messen und Entwickeln beruflicher Kompetenz. Das Forschungsnetzwerk legt jetzt eine Zwischenbilanz vor. 

Aufgabe beruflicher Bildung ist es, junge Menschen zur aktiven Mitgestaltung der Arbeitswelt in sozialer und ökologischer Verantwortung zu befähigen. Ein hehres Ziel, doch wird es auch nachhaltig erreicht? Die Frage nach der Qualitätssicherung und -entwicklung beruflicher Bildung treibt den international renommierten Berufsbildungsforscher Felix Rauner, Professor an der Universität Bremen, bereits seit Jahren um – mit Erfolg, der auch international anerkannt wird. Rauner und seine Forschergruppe FG Berufsbildungsforschung (I:BB) erarbeiteten Methoden zum Messen und Entwickeln beruflicher Kompetenz.

Dieses »Berufsbildungs-PISA« sollte Kompetenzprofile und berufliches Engagement von Auszubildenden erfassen. Dazu wurde es in der rauen Wirklichkeit beruflicher Ausbildung auf Praxistauglichkeit hin geprüft. Zunächst in den Bundesländern Bremen und Hessen erprobt, richtet die internationale Berufsbildungsforschung schnell ihren Fokus auf das Projektmodell. Es entstand ein großes Internationales Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk (COMET) zum Thema »Methode zur Evaluation und Gestaltung beruflicher Bildungsprozesse«, an dem zahlreiche europäische und außereuropäische Länder teilgenommen haben bzw. noch teilnehmen. Das COMET-Netzwerk legte jetzt in einem Erfahrungsbericht eine Zwischenbilanz vor. Die Quintessenz: Das Bremer Messmodell beruflicher Ausbildungsqualität hat sich in der Praxis bewährt, und zwar international.

Schlüsselrollen bei Lehrern und Ausbildern

Auch forschungsmethodisch hat das COMET-Forschungsnetzwerk Neuland betreten. So wurden die Lehrer und Ausbilder in den COMET-Projekten als unverzichtbare Experten im Forschungsprozess gesehen. Vor allem sie verfügen über die beruflichen und fachdidaktischen Kompetenzen, um in der großen Zahl von Ausbildungsberufen und Studiengängen inhaltlich valide Testaufgaben zu entwickeln und nach einem von der wissenschaftlichen Begleitung durchgeführten Training die extrem große Vielfalt von Aufgabenlösungen (der Testteilnehmer) auf einem hohen Niveau der Übereinstimmung zu bewerten.

Positive Rückmeldungen

Felix Rauner ist mit den bisherigen Forschungsergebnissen sehr zufrieden. »Die jetzt vorgelegte Zwischenbilanz des COMET-Forschungsnetzwerkes zeigt eindrucksvoll, wie es in einem besonders wichtigen Bereich der Berufsbildungsforschung in enger Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Experten der Berufsbildungsplanung und der Berufsbildungspraxis gelingt, die Grundlagenforschung mit der Organisation von Innovationsprojekten miteinander zu verknüpfen«. Otto Vesper, Mitinitiator des COMET-Projekts in Hessen, stellt fest: »Aus der Sicht des Hessischen Kultusministeriums hat COMET maßgeblich dazu beigetragen, dass das Konzept einer gestaltungsorientierten Berufsbildung in die Schulpraxis Eingang fand«.

Die Leiterin des Instituts für berufliche Aus- und Weiterbildung der Akademie der Erziehungswissenschaften (Peking) Dr. Ji Li begründet ihre positive Bilanz mit Forschungsergebnissen und Erfahrungen aus COMET-Kooperations-Projekten (Hessen - Peking) mit einem für die internationale Berufsbildungsforschung wichtigen Ergebnis: »Die internationale Übertragbarkeit des Messmodells, der Testaufgaben und des Bewertungsverfahrens waren die Grundlage für den erfolgreichen Projektverlauf in China. Dieses Ergebnis stützt die Annahme, dass das COMET-Kompetenzmodell über eine gute wissenschaftliche Grundlage verfügt, den Regeln und Ausbildungszielen der beruflichen Bildung entspricht und eine gute Basis für einen Ländervergleich darstellt«. COMET China startete 2009 und ist seit 2013 zentraler Bestandteil eines nationalen Schlüsselprojekts zur Qualitätssicherung der modernen Berufsbildung in China.

In den Berichten der Berufsbildungspraxis wird durchgängig vor allem auf die didaktische Qualität des COMET-Kompetenz- und Messmodells verwiesen. Thomas Scholz, Koordinator eines der COMET-Projektes für Industriemechaniker, verweist in seinem Beitrag darauf, dass selten ein Modellversuch, an dem die Mitglieder der Projektgruppe COMET-Industriemechaniker (Hessen) beteiligt waren, in so kurzer Zeit so tiefgreifende neue Einsichten in das didaktische Handeln der Lehrkräfte ermöglicht habe.

 

 

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