Trotz Akademisierungsschub immer noch ungleicher Zugang zur Hochschule

DZHW4

Steigende Studienzahlen und ihre Auswirkungen

Seit Mitte der 2000er Jahre verzeichnet Deutschland einen deutlichen Anstieg der Studienanfänger*innen und Studienabschlüsse. Während im Jahr 2000 weniger als ein Drittel der jungen Erwachsenen ein Studium aufnahm, sind es heute etwa 50 Prozent.

Diese Entwicklung deutet auf eine umfassende Akademisierung hin, die jedoch nicht alle sozialen Gruppen gleichermaßen erreicht.

Soziale Herkunft beeinflusst Studienchancen

Trotz der Zunahme an Studienanfänger*innen bleiben deutliche soziale Ungleichheiten bestehen. Der »Bildungstrichter« des DZHW zeigt, dass Kinder aus akademischen Haushalten weiterhin überproportional häufig studieren. Von 100 Kindern aus akademischen Elternhäusern nehmen 78 ein Studium auf, während es bei Kindern aus nicht-akademischen Elternhäusern nur 25 sind.

»Bildungstrichter« des DZHW: Ungleichheiten im Bildungssystem

Der Bildungstrichter des DZHW analysiert die Bildungsbeteiligung und zeigt, dass die Chancen auf ein Hochschulstudium stark von der sozialen Herkunft abhängen.

So sind 55 Prozent der Studienanfänger*innen aus akademischen Elternhäusern, obwohl diese nur 28 Prozent der altersgleichen Gesamtbevölkerung ausmachen. Umgekehrt sind Kinder aus nicht-akademischen Haushalten unter den Studienanfänger*innen unterrepräsentiert.

Einfluss der Schulbildung

Die Weichen für den ungleichen Zugang zur Hochschulbildung werden bereits in der Schulzeit gestellt. Kinder aus nicht-akademischen Haushalten besuchen seltener Schulen, die zur Hochschulreife führen, und nutzen weniger häufig alternative Bildungswege zum Erwerb der Hochschulreife.

Bildungspolitische Maßnahmen und Empfehlungen

Um soziale Ungleichheiten im Bildungssystem zu verringern, sind gezielte bildungspolitische Maßnahmen erforderlich:

Startchancen-Programm der Bundesregierung
Das Startchancen-Programm der Bundesregierung zielt darauf ab, den Bildungserfolg unabhängig von der sozialen Herkunft zu fördern. Finanzielle Ressourcen werden dabei dem Bedarf der Schulen angepasst und entsprechen dem Anteil der Schüler*innen aus sozial benachteiligten Verhältnissen.

Investitionen in die Lernumgebung, sogenannte Chancenbudgets und mehr Personal an den Schulen sollen Grundkompetenzen stärken, die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler*innen fördern und sie dabei unterstützen, wichtige Zukunftskompetenzen zu erlangen. Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Bildungschancen gerechter zu verteilen und soziale Ungleichheiten zu verringern.

Individuelle Beratungsprogramme und Informationsworkshops
Studien zeigen, dass kurze Informationsworkshops und individualisierte Beratungsprogramme die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Jugendliche aus nicht-akademischen Haushalten ein Studium aufnehmen.

Diese Programme bieten gezielte Informationen und Beratung, die oft fehlen und somit eine wichtige Entscheidungshilfe darstellen. Durch individuelle Betreuung und Aufklärung können die Hemmschwellen für ein Studium abgebaut werden.

Verbesserte Bildungsförderung und Unterstützung
Neben finanziellen Hilfen sind auch strukturelle Verbesserungen im Bildungssystem notwendig. Dazu gehören beispielsweise der Ausbau von Stipendienprogrammen, die gezielt Schüler*innen aus weniger privilegierten Familien unterstützen, sowie die Förderung von Mentorenprogrammen, die den Jugendlichen Orientierung und Unterstützung bieten.

Auch die Einführung von Programmen zur frühzeitigen Talentförderung in der Grundschule kann dazu beitragen, Begabungen frühzeitig zu erkennen und zu fördern.

Förderung von Kompetenzen und schulischen Leistungen
Ein weiterer Ansatz zur Reduzierung sozialer Ungleichheiten besteht darin, schulische Leistungen und Kompetenzen gezielt zu fördern.

Durch spezielle Förderprogramme, Nachhilfeangebote und Unterstützung bei den Hausaufgaben können leistungsschwächere Schüler*innen gestärkt werden. Dies hilft, die Bildungsbenachteiligung auszugleichen und den Zugang zu weiterführenden Schulen und letztlich zur Hochschulbildung zu erleichtern.

Elternarbeit und -bildung
Die Bildungsvorstellungen und Erwartungen der Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Bildungsentscheidung der Kinder. Daher sind Programme zur Elternbildung und -arbeit wichtig, um das Bewusstsein für die Bedeutung einer akademischen Ausbildung zu schärfen.

Durch Informationsveranstaltungen und Workshops können Eltern besser informiert und motiviert werden, ihre Kinder auf dem Bildungsweg zu unterstützen.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse des neuen Bildungstrichters verdeutlichen, dass der Zugang zu hochschulischer Bildung in Deutschland trotz des Akademisierungsschubs weiterhin sozial ungleich verteilt ist.

Es bedarf umfassender bildungspolitischer Initiativen, um die Chancengleichheit nachhaltig zu verbessern und die Bildungsbeteiligung von Kindern aus weniger privilegierten Familien zu erhöhen.


  VERWEISE  


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