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Neue Buchstabiertafel: Von Aachen bis Zwickau

Buchstabiertafel (c) DINBuchstabiertafel (c) DIN

DIN 5009 mit neuer Buchstabiertafel auf Basis von Städtenamen veröffentlicht

Das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) hat am 13. Mai 2022 die DIN 5009 »Ansagen und Diktieren von Texten und Schriftzeichen« veröffentlicht. Mit der Norm wird auch die finale Version der neuen Buchstabiertafel mit Städtenamen vorgestellt. Der zuständige DIN-Arbeitsausschuss aus Expert*innen aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung und öffentliche Hand hatte die aus der interessierten Öffentlichkeit eingegangenen Kommentare zum Norm-Entwurf sorgfältig geprüft und auf dieser Basis die Buchstabiertafel überarbeitet: Neun Städtenamen wurden ersetzt, entfallen sind zudem die Ansagewörter für die Laute »CH« und »SCH«. Die Anwendung der Norm DIN 5009 und der Buchstabiertafel ist freiwillig. Die Buchstabiertafel richtet sich insbesondere an Nutzer*innen in Wirtschaft und Verwaltung.

Reges öffentliches Interesse

Die DIN 5009 definiert Regeln für die gesprochene Ansage von danach zu schreibenden Texten. Dazu gehören beispielsweise das klassische Phonodiktat, aber auch speziell das Buchstabieren von Textteilen wie Eigennamen und Internetadressen im Telefongespräch. Die neue Buchstabiertafel – als Teil der DIN 5009 – ersetzt Vornamen durch Städtenamen, die sich überwiegend an den bekannten deutschen Kraftfahrzeugkennzeichen orientieren. »Zum ersten Entwurf der Buchstabiertafel haben wir aus der Öffentlichkeit viele gut begründete Kommentare insbesondere zu den Ansagewörtern erhalten«, sagt Eberhard Rüssing, langjähriger Fachbereichsleiter für die Lernfelder »Kaufleute für Büromanagement« am Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung in Berlin und Obmann des zuständigen Arbeitsausschusses.

Aachen statt Augsburg

Auf Basis der Rückmeldungen wurde etwa aus »A wie Augsburg« ein »A wie Aachen« – um am Wortanfang den Doppellaut »AU« für »A« zu vermeiden. Ähnlich beim Ortsnamen Stuttgart: Viele Kommentare bezogen sich auf die Aussprache »ST« für »S«. Die Expert*innen des zuständigen DIN-Arbeitsausschusses gaben schließlich »S wie Salzwedel« den Vorrang, u. a. auch um vielen Kommentaren nach ausgewogenerer geografischer Verteilung zwischen den Bundesländern gerecht zu werden und somit alle Bundesländer – leider außer Bremen – in der neuen Buchstabiertafel berücksichtigen zu können. Auch war eine flüssigere Aussprache häufig der Grund, teilweise abweichende Ortsnamen zu verwenden. Eine Herausforderung stellten zudem die Umlaute (Ä, Ö, Ü) dar: Mögliche Städte hierfür waren unter anderem zu unbekannt oder es gab sie nicht. Deshalb wird nun das Ansagewort des Grundbuchstabens für die Ansage der Umlaute verwendet – beispielsweise »Umlaut Unna« für »Ü«.

Gute Erfahrungen mit Städtenamen

Ursprünglicher Anstoß für die Neugestaltung der Buchstabiertafel war ein Hinweis auf deren wechselhafte Geschichte von Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle jüdischen Namen in der Tafel ersetzt. Der DIN-Arbeitsausschuss entschied sich bei der Überarbeitung für eine Städtenamentafel. Damit haben auch andere europäische Länder gute Erfahrungen gemacht: Städtenamen sind sehr eingängig und, anders als Vornamen, nicht der Mode unterworfen.

Grundsätzlich können Anwendende der Norm entscheiden, ob sie die neue empfohlene »Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung« oder das ergänzte internationale Buchstabieralphabet der International Civil Aviation Organization (ICAO) verwenden. Andere Anwendergruppen, z.B. Rettungsdienste, Luftfahrt, Polizei, sind durch diese Norm in ihrer Anwendungsfreiheit in keiner Weise gebunden, können aber die neue Buchstabiertafel auf Wunsch übernehmen.

 

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