Spitzenpositionen bleiben Männersache – Frauen dringen kaum vor

IAB5

Weniger als ein Drittel der Top-Jobs ist weiblich besetzt

Trotz jahrzehntelanger Gleichstellungsbemühungen bleiben Spitzenpositionen in Deutschland fest in männlicher Hand.

Nach aktuellen Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind weniger als 30 Prozent der Führungskräfte in der obersten Hierarchieebene Frauen. Auf mittlerer Ebene liegt der Anteil immerhin bei rund 40 Prozent – ein Zeichen für langsamen, aber stagnierenden Fortschritt.

Geringe Dynamik trotz Fachkräftemangel

Die IAB-Forschenden betonen, dass sich an dieser Ungleichverteilung in den vergangenen Jahren kaum etwas verändert habe. Selbst der anhaltende Fachkräftemangel habe bislang keinen Schub für weibliche Karrieren gebracht. 

Frauen besetzten zwar zunehmend anspruchsvolle Aufgaben, blieben aber häufig unterhalb der strategischen Entscheidungsebenen. Besonders ausgeprägt sei das Ungleichgewicht in technischen Berufen und in der Industrie.

Bildung hilft – aber nicht genug

Selbst hohe Bildungsabschlüsse schützen nicht vor der Glasdecke. Laut IAB sind Frauen mit akademischer Ausbildung zwar deutlich häufiger in Leitungspositionen vertreten als früher, doch ihr Aufstieg stoppe meist vor den Top-Posten.

Ein zentrales Problem bleibe die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit. Viele Frauen würden wegen familiärer Verpflichtungen seltener Führungsverantwortung übernehmen können – oder diese nur in Teilzeit ausüben, was Karrieren ausbremse.

Strukturelle Barrieren bestehen fort

Das IAB hebt hervor, dass strukturelle Barrieren in Unternehmen weiterwirken. Dazu gehörten starre Arbeitszeitmodelle, mangelnde Vorbilder und intransparente Auswahlverfahren für Spitzenpositionen. Programme zur Frauenförderung seien zwar verbreitet, aber oft nicht nachhaltig genug angelegt.

Entscheidend sei, die Unternehmenskultur zu verändern und Führung auch in flexiblen Arbeitsmodellen zu ermöglichen.

Politik und Wirtschaft gefordert

Fachleute sehen nun sowohl Politik als auch Wirtschaft in der Pflicht. Quotenregelungen, verbindliche Gleichstellungsziele und die gezielte Förderung von weiblichen Nachwuchskräften könnten helfen, die Dynamik zu erhöhen. Ohne strukturelle Eingriffe drohe die Geschlechterlücke in den Chefetagen auf absehbare Zeit zu bestehen. 


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