Keine Zeit mehr für Erwerbsarbeit?

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Lebensphasenbezogene Arbeitszeiten als betriebliche Herausforderung

Arbeitnehmer*innenbezogene Zeitrechte, wie zum Beispiel die Eltern- und Pflegezeit oder neuerdings auch die Brückenteilzeit, sind in den letzten beiden Jahrzehnten ausgebaut worden.

Für den aktuellen Report des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen hat sich ein Team aus Wissenschaftler*innen um Dr. Angelika Kümmerling und Prof. Dr. Ute Klammer mit der Frage beschäftigt, wie verschiedene Zeitrechte in den Betrieben umgesetzt werden und welche Strategien diese verfolgen, um die mit den Arbeitszeitschwankungen verbundenen Zeitausfälle zu kompensieren.

Nun liegen erste Ergebnisse aus dem noch laufenden, von der Hans Böckler-Stiftung geförderten, Forschungsprojekt vor.

In ihrer aktuellen Studie haben die Wissenschaftler*innen mit Hilfe von vier Fallstudien untersucht, wie Betriebe mit den Zeitrechten ihrer Beschäftigten umgehen und wie die entstehenden Arbeitszeitausfälle kompensiert werden.

Bei den bislang untersuchten Betrieben handelt es sich um vier tarifgebundene Großbetriebe der Branchen »Verkehr«, »Chemie«, »Bank« und »Wasser«.

Es wurden 64 Interviews auf unterschiedlichen Hierarchieebenen geführt. Der vorliegende Report fokussiert auf die Perspektive von Personalverantwortlichen und Führungskräften. Die Perspektive der Mitarbeitenden werden die Wissenschaftler*innen im Jahr 2024 beleuchten.

Zentrale Ergebnisse

Aktuell nehmen die Unternehmen vor allem die Arbeitszeitkompensation der Elternzeit als herausfordernd wahr. Mit Blick auf den demografischen Wandel erwarten die Unternehmen, dass die Pflegezeiten, die ihre Mitarbeitenden erbringen, in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die derzeitige Lage wird vor allem durch kurzfristige krankheitsbedingte Ausfälle sowie durch Schwierigkeiten bei der zeitnahen Neubesetzung freigewordener Stellen verschärft.

Die Betriebe sehen sich angesichts des Fach- und Arbeitskräftemangels in der Arbeitsorganisation mit großen Herausforderungen konfrontiert: »Unsere Interviews zeigen sehr deutlich, dass die Unternehmen bislang kaum systematisch vorgegangen sind, um den Personalausfall zu kompensieren. In der Regel organisieren die von uns untersuchten vier Großbetriebe notwendige Arbeitszeitkompensation ad hoc und situativ. Wir sehen allerdings, dass ein Umdenken beginnt«, fasst Dr. Angelika Kümmerling, Wissenschaftlerin in der Abteilung Arbeitszeit und Arbeitsorganisation (AZAO), zusammen

Aufgrund des Mangels an systematischen Prozessen bei der Kompensation von Arbeitszeitreduzierungen, entscheidet das Timing über die Wahl der aktuell passenden Kompensationsstrategien: beispielsweise, ob Mitarbeiter*innen im Betrieb kurzfristig ihre Arbeitszeit aufstocken oder Auszubildende die Lücke vorübergehend füllen können.

Um Ausfälle kurzfristig auffangen zu können, sind Neueinstellungen auf Grund der langen Vorlaufzeiten und des akuten Fachkräftemangels zumeist keine Lösung. Trotz der Herausforderungen schätzen die Betriebe Zeitrechte nicht nur als Pflicht, sondern auch als Vorteil im Wettbewerb um Fach- und Arbeitskräfte ein.

Insbesondere bei der Integration von Müttern in den Arbeitsmarkt werden vielfältige Zeitoptionen genutzt, um Personal zu gewinnen und zu halten. »Langfristig werden Betriebe nicht umhinkommen, ihre Personaleinsatzplanung anzupassen, um den Anforderungen von mehr Arbeitszeitflexibilität und wechselnden Arbeitszeitvolumina ihrer Beschäftigten zu genügen«, betont Ute Klammer, Direktorin des IAQ.

Bibliographie
Kümmerling, Angelika, Timothy Rinke, Vanessa Schmieja und Ute Klammer, 2023: Keine Zeit mehr für Erwerbsarbeit? Lebensphasenbezogene Arbeitszeiten als betriebliche Herausforderung Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2023-10


  VERWEISE  


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