Betriebliche Ausbildung: Fehlende Auszubildende - fehlende Stellen

Artikel-Bild

Trotz wachsender Beschäftigung in Deutschland bilden nur noch 19,7 Prozent der Betriebe aus – 2007 waren es 4,4 Prozent mehr. Die Ausbildungsquote schrumpfte um 1,7 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent. Wie wird die aktuelle Coronakrise die Situation beeinflussen?

Das zeigt das Online-Portal »Sozialpolitik-Aktuell« des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Nach 2012 sah es für Ausbildungen gut aus: Die rückläufigen Zahlen stabilisierten sich, vor allem durch die positive Entwicklung in ostdeutschen Betrieben. Doch welche Folgen hat der Covid-19 Lockdown? »Betriebe, die um ihre Existenz fürchten, werden ihre Ausbildungsbemühungen vermutlich zurückstellen«, befürchtet die IAQ-Forscherin Lina Zink. »Für die Jüngeren, die aktuell den Übergang von Schule zu Beruf meistern müssen, sind dies schlechte Aussichten«.

Immer mehr Firmen bilden nicht mehr aus. Bei steigendem Wettbewerbsdruck wird es für sie schwieriger, die Berufsausbildung am langfristigen, gesamtwirtschaftlich erforderlichen Bedarf und nicht am kurzfristigen Planungshorizont auszurichten. Die möglichen Folgen: Fachkräftemangel und ein stetiger Bedarf an nachzuholender Qualifizierung.

Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt, weil passende Bewerbungen fehlen – was wiederum die Bereitschaft hemmt, überhaupt Stellen anzubieten, so Zink. Die Zahl der Jüngeren in der Bevölkerung geht zurück, zudem haben sie höhere Schulabschlüsse und orientieren sich stärker als früher an universitärer Bildung. Das reduziert den Pool der Auszubildenden, aus dem Betriebe schöpfen.

Entscheidend ist, welche Betriebe in welchen Branchen, in welchen Regionen und in welcher Intensität Ausbildungsplätze anbieten. Deutschland zerfällt in eine Fülle von regionalen und beruflichen Teilausbildungsmärkten. Im Süden gibt es günstige Relationen, aber vor allem in den neuen Bundesländern und in den wirtschaftsstrukturell schwachen Regionen der alten Bundesländer (z.B. im Ruhrgebiet) zeigen sich erhebliche Unterdeckungen. Hier blieben nicht nur jene Bewerber unversorgt, die einen schlechten Hauptschulabschluss vorweisen, sondern auch junge Menschen mit einem mittleren Bildungsabschluss, resümiert Zink.

 

 

Experten-Anhörung: »Exzellenz muss für alle da sein«
Berufliche Bildung muss moderner und attraktiver werden, sich aber auch breiter aufstellen, sollen sich künftig mehr junge Menschen als bisher dafür entscheiden. Dies ist das Anliegen der »Exzellenzinitiative Berufliche Bildung und Sicherung der...
Immer mehr Abiturient*innen machen eine Ausbildung
Monitor Ausbildungschancen 2023 Eine wachsende Zahl von Abiturient*innen entscheidet sich für eine Berufsausbildung. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil derer, die mit Abitur eine duale oder schulische Ausbildung beginnen, von 35 Prozent...
Corona: Jeder fünfte Ausbildungsbetrieb ermöglichte Auszubildenden das Homeoffice
Neue Ergebnisse aus dem BIBB-Qualifizierungspanel Der Ausbruch der Coronapandemie hatte starken Einfluss auf die Entwicklung des betrieblichen Homeoffice-Angebots. Viele Betriebe boten erstmalig auch ihren Auszubildenden das Arbeiten von zu Hause...

Wir benutzen Cookies
Der BildungsSpiegel setzt auf seiner Website sog. Cookies ein. Einige von ihnen sind für den reibungslosen Betrieb essentiell, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern. Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Website zur Verfügung stehen.