Burn-out: Sind ausgeglichene Work-Life-Balance und Resilienz die Antwort?

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Ein neuer Hernstein Management Report zeigt auf, dass etwas mehr als die Hälfte der Führungskräfte private Verpflichtungen und Interessen mit beruflichen Anforderungen in einem gesunden Gleichgewicht halten können. Knapp ein Drittel der befragten Führungskräfte sieht sich selbst als stark bzw. teilweise Burn-out-gefährdet. Am höchsten belastet scheinen junge Führungskräfte auf den mittleren und unteren Führungsebenen. Resiliente Führungskräfte wissen, wie sie mit ihren knappen Ressourcen bestmöglich haushalten und mit beruflichen Krisen konstruktiv umgehen. Eine Gabe, die man im besten Fall mitbringt, die man aber auch lernen kann.

»Führen zählt zu den anspruchsvollsten und vielseitigsten, aber auch spannendsten Aufgaben im Berufsleben. Es liegt nahe, dass die fordernden Arbeitsbedingungen unserer modernen, digitalisierten Welt eine intensive Herausforderung für Führungskräfte darstellen. Die Grenzen zwischen ‚Work‘ und ‚Life‘ verschwimmen zusehends. Die Work-Life-Balance wird vom ‚Life Management‘ abgelöst«, erläutert Michaela Kreitmayer von Hernstein. Ergänzend fügt sie hinzu: »Eine ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstführung und Resilienz kann den entscheidenden Unterschied machen. Und die ist trainierbar: Die positive Einstellung zur Arbeit selbst, das Kennen der eigenen Grenzen und eine ausgeglichene Life-Balance sind sicher ein guter Ansatz. Dies überträgt sich auch auf die Mitarbeitenden und wirkt sich positiv auf das Betriebsklima aus«.

Work-Life-Balance. Gesundes Gleichgewicht?

Der Erfolg im Beruf hat oft einen hohen Preis: Leistungsdruck, Stress und Hektik bestimmen den Arbeitsalltag. Für das Privatleben bleibt wenig Zeit. Dabei ist eine gute Balance zwischen beruflichem Erfolg und persönlicher Erfüllung ganz entscheidend für die Zufriedenheit im Leben. 57% der gesamten Führungskräfte geben an, dass sie private Verpflichtungen und Interessen mit beruflichen Anforderungen in einem gesunden Gleichgewicht halten können. 13% sehen ihre Work-Life-Balance derzeit in einer akuten Schieflage. Frauen und Männer empfinden das identisch. Interessant: Je weiter oben in der Managementhierarchie und je älter die Führungskraft, desto eher gelingt der Ausgleich. 68% der Top-Führungskräfte geben an, den Spagat zwischen Arbeit und privaten Interessen gut zu meistern. Auf der unteren Managementebene sind es nur 51%.

Am höchsten belastet sind junge Führungskräfte auf den mittleren und unteren Führungsebenen: Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten im mittleren Management meinen, das Gleichgewicht gut halten zu können. Auf der untersten Führungsebene sind es mit 41% sogar noch weniger.

Druck lass nach. Resilienz als wesentliche Kernkompetenz von Führungskräften

Für den Report wurden Führungskräfte nach den wesentlichen Belastungsfaktoren in ihrem Arbeitsalltag befragt. Wie gehen sie damit um? 37% der befragten Führungskräfte geben an, dass sie häufig Stress und zeitlichen Druck im Beruf empfinden. Etwas mehr als die Hälfte sagt, dass berufliche Themen und Vorfälle sie auch in der Freizeit gedanklich beschäftigen.

Bleibt noch Zeit und Raum für die Entspannung nach der Anspannung? 57% der Führungskräfte gelingt es, sich in der Freizeit ausreichend zu erholen, um fit und leistungsfähig zu sein.

Wie groß ist der Zeitdruck? Nur etwa die Hälfte der Befragten gibt an, ausreichend Zeit zur Erledigung der eigenen Arbeitsaufgaben zu haben. Unter den Top-Managerinnen und Top-Managern sind es deutlich mehr (65%). Bei den Führungskräften auf der unteren Managementebene ist die Zeit anscheinend immer knapp: Nur 44 % empfinden sie als ausreichend.

Burn-out. Wenn alles zu viel wird

Erschöpft und ausgebrannt, nichts geht mehr. Burn-out ist in Führungskreisen nicht unbekannt. Knapp ein Drittel der befragten Führungskräfte sehen sich selbst als stark bzw. teilweise Burn-out gefährdet. 36% sind zumindest einmal von Menschen aus ihrem sozialen Umfeld auf eine Burn-out-Gefährdung hingewiesen worden. Interessant: Je jünger Mitarbeitende in einer Führungsrolle auf mittlerer Führungsebene sind, umso stärker halten sie sich selbst für potenziell Burn-out-gefährdet.

Welches Image hat Burn-out bei Führungskräften? Immerhin 26% der Befragten sind der Meinung, dass Burn-out ein Zeichen von hohem Engagement und damit salonfähig ist. Allerdings halten weit mehr, nämlich 41% der Befragten, Burn-out für ein Zeichen von Schwäche: Wer ein Burn-out erleidet, sei nicht leistungsfähig genug.

Und wann läuten die Alarmglocken? 58% denken, dass Burn-out bei Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen häufig übersehen und zu spät erkannt wird. Immerhin geben 46% der Befragten an, dass Betroffene rasche Hilfe und Unterstützung im Unternehmen erhalten. 62% der Befragten kennen zumindest einen Fall von Burn-out in ihrem Unternehmen.

Hintergrund
Der Hernstein Management Report erhebt seit 19 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern in Österreich und Deutschland. Für die aktuelle Ausgabe wurden 1.585 Personen zu aktuellen Führungsthemen und Trends in der Führungskräfteentwicklung befragt.

Die wichtigsten Eckdaten der Umfrage
Befragungszeitraum: März 2017, befragte Personen: 1.585 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 685 in Österreich und 900 in Deutschland, Befragungsart: Online-Befragung, durchgeführt von vieconsult GmbH.

 

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