Frauen im Handwerk: Erfolgsfaktor zur Fachkräftesicherung

Frau im Handwerk (Symbolbild)

Zukunft Handwerk: Ohne Frauen keine Fachkräfte

Lydia Malin und Helen Hickmann haben eine aktuelle Analyse zum Fachkräftemangel im Handwerk verfasst. Die Studie wurde vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) veröffentlicht.

Fachkräftemangel bleibt Herausforderung

Trotz konjunktureller Schwäche hat sich die Zahl der offenen Stellen im Handwerk 2024 weiter erhöht. Die Fachkräftelücke ist mit rund 108.000 fehlenden Fachkräften nach wie vor erheblich.

Etwa jede zweite offene Stelle kann rechnerisch nicht besetzt werden. Besonders betroffen sind Berufe mit besonderem Fachkräfteengpass, wie die Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik, aber auch Bau- und Klimaberufe, die für die Energiewende zentral sind.

Frauen im Handwerk gewinnen an Bedeutung

Mehr Meisterinnen, weniger Gesellinnen
Die Beschäftigtenzahl im Handwerk ist seit 2013 leicht rückläufig, wobei der Rückgang vor allem Gesell*innen betrifft. Gleichzeitig ist die Zahl der Meister*innen gestiegen – ein Zuwachs, der ausschließlich auf Frauen zurückgeht.

Der Anteil von Meisterinnen stieg von 13,3 Prozent (2013) auf 17,1 Prozent (2023/24). Besonders auffällig ist der starke Zuwachs in traditionell männlich geprägten Berufen wie Hoch- und Tiefbau, wo sich die Zahl der Meisterinnen mehr als verdoppelt hat.

Frauen sichern Engpassberufe ab
Während die Zahl weiblicher Beschäftigter in Handwerksberufen ohne Fachkräfteengpass zurückging, stieg sie in Engpassberufen um 18 Prozent. Männer verzeichneten hier lediglich einen Zuwachs von 0,6 Prozent.

Frauen engagieren sich zunehmend in Bereichen wie Kraftfahrzeugtechnik, Gebäudereinigung und Augenoptik, die besonders vom Fachkräftemangel betroffen sind.

Ursachen und Trends

Berufsorientierung und Rollenbilder
Die Studie hebt hervor, dass Geschlechterklischees in der Berufsorientierung überwunden werden müssen, um mehr Frauen für das Handwerk zu gewinnen. Praktische Erfahrungen, weibliche Vorbilder und gezielte Ansprache – etwa durch Girls' Days oder Praktika – seien entscheidend, um das Berufswahlspektrum für Mädchen zu erweitern.

Auch die Sichtbarkeit von Handwerkerinnen in Gremien und Führungspositionen trage dazu bei, tradierte Rollenbilder aufzubrechen.

Strukturelle Hürden abbauen
Ein weiteres Hemmnis sei die unzureichende soziale Absicherung für Gründerinnen und selbstständige Frauen, etwa bei Schwangerschaft oder Mutterschaft.

Verbesserungen in diesem Bereich könnten die Bereitschaft erhöhen, Führungspositionen im Handwerk zu übernehmen oder Betriebe zu gründen. Angesichts zahlreicher anstehender Betriebsübergaben sei dies ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks.

Handlungsempfehlungen

  • Klischeefreie Berufsorientierung und gezielte Ansprache von Mädchen und Frauen, besonders in Engpassberufen.
  • Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder stärken, etwa durch Beteiligung an Gremien und öffentliche Kampagnen.
  • Unternehmen sollten Praktika und Girls' Days aktiv anbieten, um Berufe erlebbar zu machen.
  • Bessere Absicherung für selbstständige Frauen, insbesondere bei Schwangerschaft und Mutterschaft.
  • Sensibilisierung von Ausbilder*innen und Berufsschullehrenden für geschlechtergerechte Lernumgebungen.

Ausblick

Frauen sind bereits heute ein zentraler Bestandteil der Fachkräftesicherung im Handwerk. Ihr Anteil wächst insbesondere in Engpassberufen und auf Meisterebene. Um das Potenzial weiter zu heben, müssen Barrieren abgebaut und klischeefreie Zugänge geschaffen werden. Das Handwerk kann es sich angesichts des demografischen Wandels nicht leisten, auf weibliche Fachkräfte zu verzichten.

Hintergrund
Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) unterstützt kleine und mittlere Unternehmen im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) dabei, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren.


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