KI in der Erwachsenenbildung: Potenziale der digitalen Lernwelt
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Digitale Transformation in der Erwachsenenbildung: Zwischen administrativem Nutzen und didaktischer Vision
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Erwachsenenbildung konzentriert sich derzeit verstärkt auf die Effizienzsteigerung in der Verwaltung und im Marketing, während das volle Potenzial für die Unterrichtsgestaltung noch nicht ausgeschöpft wird.
Die österreichische Studie »Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung«, herausgegeben vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) sowie dem Projekt LERNRAUM.at, bietet eine fundierte Analyse des Status quo.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen und die Medienkompetenz des Lehrpersonals gezielt zu fördern, um den Übergang von der rein organisatorischen Nutzung hin zu innovativen pädagogischen Szenarien zu bewältigen.
Anwendungsschwerpunkte und Nutzungslücken
In der täglichen Praxis zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen privater Neugier und beruflicher Implementierung. Während über ein Drittel der Befragten KI-Anwendungen im privaten Umfeld nutzt, findet eine professionelle Anwendung lediglich bei etwa jedem fünften Teilnehmenden statt.
Besonders auffällig ist die Dominanz textbasierter Systeme wie ChatGPT, die vorrangig für die Erstellung von Werbematerialien, die Kursplanung oder administrative Korrespondenz herangezogen werden. Lediglich zwölf Prozent der Befragten setzen KI-Tools bereits aktiv für didaktische Zwecke ein, etwa um Lernmaterialien zu individualisieren oder komplexe Inhalte für unterschiedliche Niveaus aufzubereiten.
Dieser Fokus auf die »Back-Office-Optimierung« verdeutlicht, dass die Technologie aktuell eher als Werkzeug zur Arbeitserleichterung denn als transformatives Element der Wissensvermittlung wahrgenommen wird. Die Ursachen hierfür liegen oft in einer mangelnden Verankerung des Themas in den institutionellen Strategien der Bildungseinrichtungen.
Hürden in der praktischen Umsetzung
Trotz einer grundsätzlich offenen Haltung gegenüber technologischen Neuerungen bremsen fehlendes Know-how und unzureichende zeitliche Ressourcen den flächendeckenden Einsatz. Viele Akteure in der Erwachsenenbildung berichten von einer Unsicherheit im Umgang mit rechtlichen Rahmenbedingungen und Datenschutzfragen. Zudem fehlt es in vielen Organisationen an klaren Leitlinien, die den Einsatz von KI im Bildungskontext regeln. Ein wesentlicher Faktor ist zudem der Zugang zu hochwertigen Fortbildungen.
Interessanterweise wird das »Prompting« – also die präzise Eingabe von Befehlen an die KI – als eine der zentralen künftigen Kompetenzen identifiziert. Dennoch fühlen sich viele Lehrkräfte noch nicht ausreichend qualifiziert, um diese Technik gewinnbringend in den Unterricht zu integrieren. In Österreich wird die Qualitätssicherung in diesem Bereich unter anderem durch »Ö-Cert« flankiert, einen Qualitätsrahmen für Erwachsenenbildungseinrichtungen, der sicherstellt, dass Bildungsangebote länderübergreifend anerkannt werden und Mindeststandards erfüllen.
Kompetenzaufbau als Schlüssel zur Innovation
Die Erhebung macht deutlich, dass die Zukunft der Erwachsenenbildung eng mit der Fähigkeit verknüpft ist, KI-gestützte Lernumgebungen zu schaffen. Ein großes Potenzial wird in der Individualisierung von Lernprozessen gesehen. KI kann dabei helfen, Lernpfade exakt auf die Bedürfnisse und das Vorwissen der Teilnehmenden zuzuschneiden, was insbesondere in der »Basisbildung« – einem Bereich, der grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen für Erwachsene umfasst – einen hohen Mehrwert bietet.
Um diese Entwicklung voranzutreiben, bedarf es einer verstärkten Vernetzung der Akteure und des Austauschs von Best-Practice-Beispielen. Die Förderung von Experimentierräumen, in denen neue Formate ohne unmittelbaren Erfolgsdruck erprobt werden können, gilt als zielführend.
Langfristig ist davon auszugehen, dass sich das Berufsbild der Lehrenden wandelt: Weg von der reinen Wissensvermittlung hin zu einer moderierenden Rolle, die Lernende dabei unterstützt, kritisch und reflektiert mit KI-generierten Informationen umzugehen.
Kurz-Zusammenfassung
- KI dient aktuell vorrangig der Effizienzsteigerung in Verwaltung und Marketing.
- Die didaktische Nutzung im Unterricht ist mit zwölf Prozent noch gering ausgeprägt.
- Privat wird KI deutlich häufiger genutzt als im professionellen Bildungskontext.
- Fehlende Zeitressourcen und mangelndes Know-how sind die größten Barrieren.
- Das Beherrschen von »Prompting« entwickelt sich zur neuen Schlüsselqualifikation.
- KI bietet enorme Chancen für individualisierte Lernpfade und Inklusion.
Bibliographie
KI in der Erwachsenenbildung. Nutzung und Strategien in von Ö-Cert anerkannten Erwachsenenbildungseinrichtungen. Dr.in Elke Gruber, Christina Schmieder, BA MA, 2026.
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