Warum Re-Skilling die Antwort auf den industriellen Strukturwandel ist

Themenkreis Weiterbildung und Lernen (Symbolbild)

Strategische Neuausrichtung durch Re-Skilling als Antwort auf den Strukturwandel

Der technologische Fortschritt und die digitale Transformation verändern die Anforderungen an technische Fachkräfte grundlegend.

Eine aktuelle Analyse des Verein Deutscher Ingenieure (VDI) postuliert, dass die gezielte Qualifizierung für neue Aufgabenfelder, das sogenannte »Re-Skilling«, eine zentrale Säule für die künftige Innovationskraft des Standorts Deutschland darstellt. Während in traditionellen Industriezweigen Stellen wegfallen, bleibt der Bedarf an spezialisierten Fachkräften in Wachstumsfeldern wie der Künstlichen Intelligenz oder der nachhaltigen Energietechnik hoch.

Notwendigkeit zur systematischen Kompetenzerweiterung

Rund 80 Prozent der befragten Ingenieurpersonen sehen die Notwendigkeit, ihre Fähigkeiten innerhalb der nächsten drei Jahre signifikant zu erweitern. Diese Einschätzung ist über alle Altersgruppen und Branchen hinweg konsistent. Besonders in der Chemie-, Metall- und Fahrzeugindustrie wird die Zukunftsfähigkeit der bisherigen Geschäftsmodelle kritisch hinterfragt.

»Re-Skilling« fungiert hierbei als Instrument, um den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen abzuwenden und gleichzeitig den Fachkräftemangel zu lindern. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2035 etwa 315.000 Fachkräfte im Ingenieur- und IT-Sektor altersbedingt ausscheiden werden, was den Druck zur Qualifizierung vorhandener Personalressourcen weiter erhöht.

Handlungsfelder für Unternehmen und Beschäftigte

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Qualifizierung verschieben sich deutlich. Neben tiefgreifendem Wissen in der Informationstechnik gewinnen Kompetenzen in der Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung an Bedeutung.

Unternehmen stehen vor der Aufgabe, »Re-Skilling« nicht als punktuelle Maßnahme, sondern als integralen Bestandteil der strategischen Personalplanung zu verstehen. Dies erfordert eine präzise Identifikation von Kompetenzlücken sowie die Implementierung flexibler Lernformate, die sich in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Für die Beschäftigten bedeutet dieser Wandel eine erhöhte Eigenverantwortung für das eigene Qualifikationsprofil, um die persönliche Beschäftigungsfähigkeit langfristig zu sichern.

Rahmenbedingungen

Der Erfolg der Transformation hängt maßgeblich von den strukturellen Bedingungen ab. Aktuell werden fehlende zeitliche Kapazitäten, hohe Kosten und komplexe Förderstrukturen als wesentliche Barrieren identifiziert. Aus bildungspolitischer Sicht besteht die Herausforderung darin, ein durchlässigeres System zu schaffen, das lebenslanges Lernen nicht nur ermöglicht, sondern aktiv unterstützt.

Die Analyse zeigt, dass eine enge Verzahnung von regulatorischen Rahmenbedingungen und unternehmerischer Initiative erforderlich ist, um technologische Entwicklungen gesellschaftlich nutzbar zu machen. Nur durch eine strategische Personalentwicklung kann die Kluft zwischen verfügbaren und benötigten Kompetenzen geschlossen werden. Eine proaktive Gestaltung dieses Prozesses ist entscheidend, um den technologischen Wandel als Chance für neues Wachstum zu begreifen.

Hintergrund
Die Studie »Bereit für Innovationen – Gezielte Qualifizierung als Grundlage für neues Wachstum in Deutschland« basiert auf einer Online-Befragung von mehr als 1.350 Ingenieurinnen und Ingenieuren, Experteninterviews sowie einer interdisziplinären Paneldiskussion.
Unterschieden wird dabei zwischen den Begriffen Up-Skilling und Re-Skilling​. Re-Skilling bezeichnet die Umschulung für neue Tätigkeits- oder Berufsfelder​ und meint nicht die reine Aktualisierung bereits vorhandener Skills und Kompetenzen wie beim Up-Skilling. 


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