Bildungsurlaub in Deutschland: Erhöhte Nachfrage und neue Regelungen

Bildungsurlaub 220

Bildungsurlauber.de legt aktuellen Trendbericht 2025 vor

In fast allen Bundesländern haben Beschäftigte Anspruch auf Bildungsurlaub, der ihnen bezahlten Sonderurlaub für Weiterbildungen bietet – zusätzlich zum regulären Erholungsurlaub. Bayern und Sachsen bilden Ausnahmen ohne gesetzliche Regelung.

Der Anspruch liegt meist bei fünf Tagen pro Jahr, und die Weiterbildung muss nicht zwingend beruflich sein.

Ab 2027 will Sachsen erstmals einen Anspruch auf drei Tage Bildungsurlaub einführen, sodass Bayern dann das einzige Bundesland ohne gesetzlichen Anspruch sein wird. Hessen hat 2024 die sogenannte »Queranerkennung« abgeschafft, was bedeutet, dass Bildungsangebote direkt vom Land Hessen anerkannt sein müssen. Im Saarland gilt seit Mai 2024 eine Gesetzesnovelle, die fünf Tage Bildungsurlaub ohne Abzug vom regulären Urlaub vorsieht, auch für Ehrenamtsfortbildungen. Nordrhein-Westfalen hob Corona-Sonderregeln für Online-Bildungsurlaub auf, erlaubte digitale Formate aber weiterhin unter Auflagen.

Diese Maßnahmen zeigen eine stärkere Regulierung und teilweise Ausweitung des Anspruchs.

Nachfrage und Nutzungstrends

Die Nachfrage nach Bildungsurlaub ist seit 2010 um 125 Prozent gestiegen, mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von rund 10 Prozent. Nach einem Wachstum von 20 Prozent im Jahr 2023 sank das Wachstum 2024 auf 6 Prozent. Die Nachfrage zeigt saisonale Schwankungen mit Spitzen im ersten und dritten Quartal.

Rund 1,04 Millionen Beschäftigte nutzten 2024 Bildungsurlaub. Das entspricht etwa 3 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Anspruch haben circa 14 Millionen Beschäftigte, also 40 Prozent aller Erwerbstätigen. Die Nutzungsquote unter den Anspruchsberechtigten liegt bei etwa 7 Prozent. Einschränkungen ergeben sich insbesondere durch fehlende Ansprüche in Bayern und Sachsen sowie Kleinbetriebsklauseln in mehreren Bundesländern.

Beliebte Themenfelder

Gesundheit und Stressbewältigung führen mit 55 Prozent der Buchungsanfragen. Es folgen persönliche und berufliche Entwicklung (43 Prozent) sowie Sport, Fitness und Yoga (34 Prozent). Sprachkurse und Sprachreisen machen zusammen rund ein Viertel der Bildungsurlaube aus. Gesellschaftspolitische und ökologische Themen erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit, während wirtschaftliche, digitale und technische Themen seltener über Bildungsurlaub wahrgenommen werden, da sie oft durch andere betriebliche Weiterbildungen abgedeckt sind.

Die Mehrheit nutzt Bildungsurlaub zur Förderung von Gesundheit, persönlicher Entwicklung und sozialer Kompetenz, was die berufliche Resilienz stärkt.

Regionale Unterschiede

Nachfrage und Nutzung variieren stark nach Bundesland. Hessen und Nordrhein-Westfalen verzeichnen das höchste Interesse, während Bayern und Sachsen mit fehlendem Anspruch weniger nachgefragt werden. Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg zeigen trotz kleinerer Erwerbsbasis eine hohe Informationsnachfrage.

Demografie und Nutzung der Endgeräte

Die meisten Bildungsurlauber sind jung (18 bis 34 Jahre) und zu über 57 Prozent weiblich.

Die Nutzung erfolgt fast gleichmäßig über Desktop und mobile Geräte, wobei Tablets kaum eingesetzt werden.

Kurspreise und Marktvolumen

Die Preise unterscheiden sich stark je nach Themengebiet. Die teuersten Kurse gibt es im kaufmännisch-steuerlichen Bereich mit durchschnittlich 908 Euro, 61 Prozent über dem Durchschnittspreis von 564 Euro.

Günstiger sind Sprachkurse und Sprachreisen mit etwa 455 Euro bis 465 Euro. Wirtschaftliche, fachliche und wissenschaftliche Themen liegen meist über dem Durchschnitt, kreative, technische und naturbezogene Kurse leicht darunter.

Das Marktvolumen für Bildungsurlaub liegt bei circa 590 Millionen Euro jährlich. Das bedeutet rund 1 Prozent des gesamten deutschen Reise- und Tourismussektors und etwa 2 Prozent des Marktes für berufliche Weiterbildung.

Im Vergleich zu anderen Märkten ist Bildungsurlaub größer als Gesundheits- und Wellness-Coaching und nur etwas kleiner als der Online-Bildungsmarkt oder Markt für mentale Gesundheit.

Unternehmensangebote und Nutzung

Rund 59 Prozent der Unternehmen erlauben Bildungsurlaub. Größere Betriebe (über 500 Mitarbeitende) bieten dies zu über 85 Prozent an, bei kleinen Unternehmen (unter 50 Mitarbeitende) sind es nur 41 Prozent.

Branchenunterschiede zeigen sich deutlich: Im Handel sind nur 35 Prozent der Firmen dabei, im Dienstleistungsbereich 64 Prozent und in der Industrie 69 Prozent.

Die tatsächliche Nutzung variiert ebenfalls stark: In Bremen und Hamburg nehmen viele Beschäftigte Bildungsurlaub (über 7 Prozent), in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist die Nutzung sehr gering (unter 2 Prozent bzw. 0,4 Prozent). Durchschnittlich dauert Bildungsurlaub etwa fünf Tage. 


Ähnliche Themen in dieser Kategorie

08.02.2026

Lebenslanges Lernen wird zur Schlüsselstrategie für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands Der tiefgreifende wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Wandel zwingt Politik, Betriebe und Individuen dazu, Weiterbildung neu zu organisieren. Nicht punktuelle …

05.02.2026

Sächsischer Landtag beschließt Einführung einer gesetzlichen Qualifizierungszeit Ab dem Jahr 2027 erhalten Beschäftigte in Sachsen einen rechtlich verankerten Anspruch auf bezahlte Freistellung für Weiterbildungszwecke. Der Landtag stimmte am 4. Februar 2026 mehrheitlich für …

29.01.2026

Finanzielle Hürden und Informationsdefizite bremsen die Weiterbildung in Deutschland Subjektive Einstellungen, die soziale Herkunft sowie ein ausgeprägter Mangel an Wissen über rechtliche Ansprüche bestimmen maßgeblich, ob Menschen in Deutschland an Weiterbildungsmaßnahmen …

26.01.2026

Reform des Bildungsurlaubs: Einführung der »Weiterbildungszeit« ab 2026 Der österreichische Nationalrat hatte im Oktober 2025 eine grundlegende Reform der beruflichen Weiterbildung beschlossen. Seit Beginn des Jahres 2026 ersetzt die neue »Weiterbildungszeit« das bisherige …

.
Oft gelesen...