KI-Nutzung: Technologischer Rückstand gefährdet europäisches Wirtschaftswachstum

Themenkreis KI, Digitalisierung, Digitale Transformation (Symbolbild)

Transatlantischer Vergleich: USA hängen Europa bei der KI-Anwendung ab

Die Intensität der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz offenbart eine wachsende Kluft zwischen den USA und Europa.

Eine aktuelle Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) in Kooperation mit US-amerikanischen Forschungseinrichtungen zeigt, dass dieser Rückstand das Produktivitätswachstum auf dem europäischen Kontinent erheblich bremst. Während in den USA bereits ein hoher Grad an Integration digitaler Assistenzsysteme erreicht ist, stagniert die Entwicklung in vielen europäischen Kernmärkten.

Diese Differenz erklärt maßgeblich, warum die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit pro Arbeitsstunde in Übersee zwischen 2019 und 2024 deutlich stärker gestiegen ist als in der Europäischen Union.

Diskrepanz in der Anwendungstiefe

Die Erhebung, die auf Daten von über 55.000 Beschäftigten aus den Jahren 2025 und 2026 basiert, verdeutlicht die Vormachtstellung der USA. Dort setzen Anfang 2026 bereits 43 Prozent der Erwerbstätigen KI-Tools ein, während der Durchschnitt in den untersuchten europäischen Ländern bei 32 Prozent liegt. Deutschland positioniert sich mit einer Quote von ebenfalls 32 Prozent im Mittelfeld, weit hinter dem Vereinigten Königreich mit 36 Prozent, aber vor Italien mit 26 Prozent.

Anteil der Beschäftigten, die Anfang 2026 Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz nutzen, in ProzentAnteil der Beschäftigten, die Anfang 2026 Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz nutzen, in Prozent


Besonders prägnant ist der Unterschied bei der zeitlichen Nutzungsintensität: In den USA entfallen fünf Prozent der gesamten Arbeitszeit auf KI-gestützte Prozesse. In Deutschland, Frankreich und Italien liegt dieser Wert bei weniger als einem Drittel des US-Niveaus. Der Trend weist zudem auf eine Pfadabhängigkeit hin, da der Zuwachs an KI-Nutzung in Ländern mit bereits hoher Ausgangsbasis überproportional ausfällt.

Management als entscheidender Einflussfaktor

Die Ursachen für die zögerliche Adaption in Europa sind nur teilweise durch demografische Merkmale wie Alter, Bildungsgrad oder Branchenzugehörigkeit zu erklären. Zwar nutzen jüngere Fachkräfte mit akademischem Hintergrund die Technologie häufiger, doch diese Faktoren machen lediglich die Hälfte der transatlantischen Differenz aus.

Den Ausschlag gibt primär die Qualität der Unternehmensführung. Eine aktive Förderung und die explizite Bereitstellung von KI-Werkzeugen durch das Management steigern die Anwendungsrate signifikant. Besteht eine Unternehmenskultur, die den Einsatz dieser Technologien fordert und unterstützt, zeigt sich eine direkte Korrelation mit der individuellen Nutzungsbereitschaft der Belegschaft.

Hebel für die Produktivität

Der Verzicht auf eine flächendeckende Integration von KI führt zu messbaren Effizienznachteilen. Beschäftigte, die diese Systeme einsetzen, erzielen im Durchschnitt eine Zeitersparnis von fünf bis sechs Prozent.

Auf makroökonomischer Ebene korreliert eine Steigerung der KI-Nutzung in einem Wirtschaftssektor um zehn Prozentpunkte mit einem Anstieg des sektoralen Produktivitätswachstums um zwei bis fünf Prozentpunkte. Dieser Wert entspricht in etwa dem gesamten europäischen Produktivitätszuwachs der letzten Jahre. Angesichts des demografischen Wandels und einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung ist eine Steigerung der Effizienz durch technologische Unterstützung essenziell, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die seit Mitte der 1990er Jahre wachsende Wohlstandslücke zu den USA zu schließen.

Die Studie wurde bei der Spring 2026 Brookings Papers on Economic Activity (BPEA) Conference vorgestellt; das finale Paper wird in der Spring 2026 BPEA issue veröffentlicht. 


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