Akademische Abschlüsse ohne Abitur erreichen neuen Höchststand

Themenkreis Studium und Lehre (Symbolbild)

Rekordmarke geknackt: Über 10.000 Studienabschlüsse ohne Abitur im Jahr 2024

Die Durchlässigkeit des deutschen Hochschulsystems nimmt kontinuierlich zu und ermöglicht einer wachsenden Zahl beruflich Qualifizierter den Zugang zu akademischen Abschlüssen.

Aktuelle Daten des CHE Centrums für Hochschulentwicklung belegen, dass im Jahr 2024 erstmals mehr als 10.000 Absolventinnen und Absolventen ohne schulische Hochschulreife ihr Studium erfolgreich beendet haben. Damit festigt sich dieser Bildungsweg als stabiler Pfeiler in der deutschen Bildungslandschaft, wobei mittlerweile an 93 Prozent aller Hochschulen Studierende ohne Abitur eingeschrieben sind.

Kontinuierliche Entwicklung und regionale Schwerpunkte

Seit der bundesweiten Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte im Jahr 2009 haben insgesamt 104.941 Personen ohne (Fach-)Abitur einen Bachelor- oder Masterabschluss erworben. Die aktuelle Gesamtzahl der Studierenden in dieser Gruppe liegt bei rund 70.000, was einem konstanten Anteil von 2,4 Prozent an der gesamten Studierendenschaft entspricht. Bei den Studienanfängerinnen und Studienanfängern ist ein leichter Zuwachs auf 2,7 Prozent zu verzeichnen, was etwa 13.000 Erstsemestern entspricht.

Im regionalen Vergleich weisen Bremen mit 5,8 Prozent, Thüringen mit 5,0 Prozent und Hamburg mit 4,5 Prozent die höchsten Quoten bei den Studienanfängen auf. Während in Thüringen zuvor die private IU Internationale Hochschule die Statistik maßgeblich prägte, verzeichnete diese 2024 einen Rückgang bei den Einschreibungen beruflich Qualifizierter. In der Gunst der Erstsemester ohne Abitur steht nun wieder die staatliche FernUniversität in Hagen an erster Stelle, gefolgt von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management.

Strukturelle Merkmale und bevorzugte Hochschultypen

Beruflich Qualifizierte entscheiden sich bevorzugt für große Bildungseinrichtungen. Insbesondere Fachhochschulen beziehungsweise Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) mit mehr als 7.000 Studierenden sowie große Universitäten mit über 25.000 Einschreibungen sind gefragt.

Sigrun Nickel, die Leiterin der Untersuchung, stellt fest, dass sich diese Studierendengruppe mittlerweile nahezu flächendeckend auf fast jedem Campus finde. Von den insgesamt 422 Hochschulen in Deutschland führen 392 Einrichtungen Studierende ohne allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife in ihren Registern.

Demografie und fachliche Spezialisierung

Das Profil der Studierenden ohne Abitur unterscheidet sich deutlich vom klassischen Durchschnitt. Mit circa 30 Jahren sind diese Erstsemester wesentlich lebenserfahrenen als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen mit schulischer Hochschulzugangsberechtigung – also der formalen Erlaubnis, ein Studium aufzunehmen. Zudem wird meist ein praxisorientiertes Bachelorstudium an einer HAW gewählt.

In der Fächerwahl dominieren die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, für die sich die Hälfte der Gruppe entscheidet. Die Ingenieurwissenschaften folgen mit einem Anteil von 19,1 Prozent. Ein signifikanter Trend zeichnet sich im Bereich Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften ab. Hier qualifiziert sich in den Fachrichtungen Pflegewissenschaft, Pflegemanagement und Gesundheitspädagogik bereits jede vierte Person über die berufliche Vorbildung. Auch in der Human- und Zahnmedizin nutzen derzeit etwa 1.100 Personen ihre Berufserfahrung im Gesundheitswesen als Zugang zum Studium. 


Ähnliche Themen in dieser Kategorie

25.02.2026

Rückgang der Zahl der Studienberechtigten durch strukturelle Reformen Die Zahl der Personen mit Hochschul- oder Fachhochschulreife in Deutschland ist im Jahr 2025 spürbar gesunken. Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes erwarben rund 341.700 junge …

18.12.2025

Rückgang bei Auslandsaufenthalten und Fokus auf Nachbarländer Die Anzahl der deutschen Studierenden an internationalen Hochschulen ist im Jahr 2023 leicht gesunken. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren rund 137.200 Personen im Ausland …

01.12.2025

Hochschulsystem im Umbruch - Arbeiten und Studieren: Das neue Normal Die Vorstellung vom klassischen Vollzeitstudierenden verliert rasant an Bedeutung. Eine neue CHE-Analyse mit dem Titel »CHECK – FLEXIBEL STUDIEREN 2025« zeigt, wie weit sich der Studienalltag von …

23.09.2025

Deutsche Hochschulen begleiten Studienstart mit breitem Angebot  Der Übergang von der Schule zur Hochschule ist in Deutschland häufig mit Unsicherheiten verbunden. Aktuelle Daten des CHE Centrums für Hochschulentwicklung zeigen, dass deutsche Hochschulen dieser …

.
Oft gelesen...
TIPP