Defizite beim betrieblichen Wissenstransfer gefährden Wettbewerbsfähigkeit

Themenkreis HR und Personalführung (Symbolbild)

Hernstein Management Report: 60 Prozent der Führungskräfte beobachten mangelnden Wissenstransfer

Der Verlust von wertvollem Fachwissen stellt Unternehmen in Deutschland und Österreich vor wachsende Herausforderungen. Laut dem aktuellen Hernstein Management Report berichten rund 60 Prozent der Führungskräfte von erheblichen Schwierigkeiten bei der Weitergabe von Expertise an nachfolgende Personen oder innerhalb des Kollegiums.

Diese Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 1.600 Führungspersönlichkeiten unterstreichen die Notwendigkeit, informelle Lernprozesse durch strukturelle Maßnahmen abzusichern.

Ursachen für mangelnde Wissenssicherung

Ein zentraler Grund für den stockenden Informationsfluss liegt in der unzureichenden institutionellen Verankerung der Wissensweitergabe. Oft bleibt erfolgskritisches Know-how exklusiv an einzelne Personen gebunden.

Hernstein weist darauf hin, dass fehlende Übergabeprozesse, personelle Engpässe und Unklarheiten über die Methodik des Teilens diese Entwicklung begünstigen. Besonders beim »Offboarding«, dem systematisch gestalteten Ausscheiden von Personal, zeigen sich häufig Defizite. Ein effektives Wissensmanagement setzt daher eine Unternehmenskultur voraus, die den Austausch aktiv fördert und auf Managementebene vorlebt.

Qualifikationslücken und betriebliche Weiterbildung

Die Relevanz interner Qualifizierung steigt stetig, da rund 70 Prozent der Führungskräfte bei Neueinstellungen mangelnde fachliche Voraussetzungen konstatieren. Dieser Trend resultiert primär aus dem Fachkräftemangel sowie zunehmend spezifischen Anforderungen in den Betrieben. Unternehmen reagieren darauf mit einer Kombination aus dualer Ausbildung, gezielten Einarbeitungsprogrammen und dem sogenannten »Learning on the Job« – dem Lernen direkt im Arbeitsprozess.

Hohe Bedeutung informeller Lernformen

Mit einer Zustimmung von 84 Prozent genießt das Lernen im Arbeitsalltag sowie der informelle Austausch die höchste Priorität unter den Weiterbildungsmaßnahmen. Während in Österreich 88 Prozent der Befragten diesen Ansatz verfolgen, liegt der Wert in Deutschland bei 81 Prozent. Flankierend dazu bleiben interne Schulungen für 75 Prozent und externe Formate für 60 Prozent der Befragten wesentliche Säulen der Personalentwicklung.

Bedeutung unternehmensinterner Aus  und Weiterbildung

Hernstein betont, dass die kollegiale Beratung zwar das Vertrauen stärke, jedoch ohne klare Dokumentationsstandards das Risiko eines systematischen Wissensverlusts berge. Mit steigender Verantwortung in den Führungshierarchien gewinnt zudem die externe Weiterbildung zur Gewinnung neuer Perspektiven an Gewicht.

Veränderungsdruck erfordert kontinuierliche Qualifizierung

Die Geschwindigkeit des wirtschaftlichen und technologischen Wandels macht für drei Viertel der Befragten eine permanente Weiterbildung unumgänglich. Als wesentliche Treiber werden die wachsende Bedeutung von »Soft Skills« (zwischenmenschliche Kompetenzen), veränderte Anforderungen an die Personalführung sowie die zunehmende Komplexität betrieblicher Prozesse identifiziert.

Zudem besteht ein breiter Konsens darüber, dass Qualifizierungserfolge auch finanziell honoriert werden sollten: Acht von zehn Führungskräften befürworten eine Kopplung von Weiterbildung und Gehaltsentwicklung.

Hürden und zukünftige Bedarfe

Trotz der hohen Relevanz bremsen hohe Kosten und ein Mangel an passgenauen Angeboten in einigen Bereichen das Engagement. Bei der Wahl der Formate bevorzugen Führungskräfte weiterhin physische Präsenzveranstaltungen.

Inhaltlich besteht der größte Bedarf bei der Stärkung sozialer Kompetenzen sowie im Bereich des Krisen- und Konfliktmanagements, um den vielfältigen Führungsaufgaben in einem dynamischen Umfeld gerecht zu werden.


Über die Studie
Der Hernstein Management Report erhebt seit über 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern. Befragte Personen: 1.600 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 1.000 in Deutschland und 600 in Österreich. Maximale Schwankungsbreite: +/- 2,5 Prozent. Befragungsart: Online-Befragung, durchgeführt von Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung.


  VERWEISE  

Ähnliche Themen in dieser Kategorie

27.03.2026

Weiterbildung als Schlüsselfaktor für die Mitarbeiterbindung Die Relevanz betrieblicher Lernangebote für die langfristige Treue zum Arbeitgeber nimmt signifikant zu. Eine aktuelle Untersuchung des HR-Tech-Anbieters Mystery Minds in Kooperation mit YouGov stellt heraus, dass …

16.02.2026

Hernstein Management Report: Führungskräfte zwischen Zeitdruck und Budgetkürzungen Der aktuelle Hernstein Management Report verdeutlicht die zunehmenden strukturellen Belastungen für Führungskräfte in Deutschland und Österreich. Laut der repräsentativen Studie, für die 1.600 …

17.11.2025

Führungskräfteumfrage zeigt deutlichen Gender-Gap bei Zufriedenheit und Aufstiegschancen Eine aktuelle Befragung von EY unter Führungskräften in Deutschland macht erhebliche Geschlechterunterschiede sichtbar: Nur 39 Prozent der Frauen in leitender Position gaben an, mit ihrem …

01.10.2025

Hessische Unternehmen setzen verstärkt auf Mitarbeitendenbindung - Investitionen in Bindungsmaßnahmen steigen deutlich Hessische Betriebe reagieren zunehmend auf die Herausforderungen des Arbeitsmarkts, indem sie gezielt in Maßnahmen zur Bindung ihrer Mitarbeitenden …

.
Oft gelesen...
TIPP