IAB-Arbeitsmarktbarometer 2/26: Wenig Perspektive auf Belebung

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Eintrübung der Arbeitsmarktaussichten durch anhaltende Industriekrise

Der deutsche Arbeitsmarkt verliert im Februar 2026 an Schwung. Das »IAB-Arbeitsmarktbarometer«, ein vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) entwickelter Frühindikator zur Vorhersage der kurzfristigen Entwicklung, sank um 0,5 Punkte auf einen Wert von 99,5. Damit rutschte der Index erstmals seit Juli 2025 wieder unter die neutrale Referenzmarke von 100 Punkten.

Diese Entwicklung deutet auf eine Unterbrechung der bisherigen Erholungstendenzen hin und signalisiert eine Phase geringer Belebungschancen für die kommenden Monate.

Divergenz zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

Innerhalb des Barometers zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Teilkomponenten. Die Prognose für die Beschäftigung hält sich mit 100,4 Punkten stabil im leicht positiven Bereich. Demgegenüber steht eine signifikante Verschlechterung der Aussichten bei der Arbeitslosigkeit: Diese Komponente sank um 1,0 Punkte auf 98,5.

Es wird davon ausgegangen, dass die Perspektive auf einen zeitnahen Abbau der Erwerbslosigkeit vorerst entfällt. Die Stagnation resultiert primär aus einer schwachen Dynamik, die nicht ausreicht, um die bestehenden Herausforderungen am Markt auszugleichen.

Strukturkrise im Verarbeitenden Gewerbe

Besonders das »Verarbeitende Gewerbe« erweist sich als Belastungsfaktor für die Gesamtentwicklung. Monatlich gehen in diesem Sektor derzeit etwa 15.000 sozialversicherungspflichtige Stellen verloren. Vor allem im Maschinenbau und in der Automobilindustrie wird mit einem verstärkten Personalabbau gerechnet.

Diese Branchen zählen bei rund 60 Prozent der befragten Arbeitsagenturen zu den drei Sektoren mit den negativsten Erwartungen. Die strukturellen Probleme der Industrie wirken somit unmittelbar auf die Stabilität des gesamten Arbeitsmarktes ein.

Europäische Perspektive und methodischer Hintergrund

Auch auf europäischer Ebene ist eine leichte Abwärtsbewegung zu beobachten. Das »European Labour Market Barometer« gab zum dritten Mal in Folge nach und liegt mit 99,6 Punkten ebenfalls unter der Stabilitätsschwelle. Während sich die Beschäftigungskomponente europaweit nur noch knapp über dem neutralen Wert hält, entfernt sich die Prognose zur Arbeitslosigkeit weiter von einer positiven Tendenz.

Hintergrund
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit November 2008 bestehender Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert.

Das European Labour Market Barometer ist ein monatlicher Frühindikator, der auf einer seit Juni 2018 gemeinsam von den 18 Arbeitsverwaltungen und dem IAB durchgeführten Befragung unter den lokalen oder regionalen Arbeitsagenturen der teilnehmenden Länder basiert. Dazu zählen: Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft, Wallonien), Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Island, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien und Zypern.

Während Komponente A des IAB-Arbeitsmarktbarometers und des European Labour Market Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus diesen beiden Komponenten »Arbeitslosigkeit« und »Beschäftigung« bildet den Gesamtwert der beiden Barometer. Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala der Barometer reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).


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