Teilqualifikationen als Brücke zum Berufsabschluss: Die Wirksamkeit der Initiative »MY·TQ«

MY TQ

Effiziente Fachkräftesicherung durch modulare Teilqualifizierungen

Die schrittweise Qualifizierung von Erwachsenen ohne Berufsabschluss erweist sich als wirksames Instrument gegen den Fachkräftemangel und zur Förderung der beruflichen Mobilität.

Eine aktuelle Evaluation der Initiative »MY·TQ«, wissenschaftlich begleitet durch die Bertelsmann Stiftung, belegt die hohe Erfolgsquote dieses modularen Ansatzes. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden gelingt nach Abschluss eines Bausteins der direkte Übergang in eine reguläre Beschäftigung.

Damit bietet das Konzept eine praxisnahe Antwort auf die strukturellen Herausforderungen eines sich wandelnden Arbeitsmarktes.

Flexibilität als Schlüssel zum Bildungserfolg

Das Projekt richtet sich primär an Menschen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, die über keinen formalen Berufsabschluss verfügen. Da eine klassische, mehrjährige Ausbildung für diese Zielgruppe aufgrund familiärer Verpflichtungen oder finanzieller Hürden oft nicht realisierbar ist, zerlegt »MY·TQ« anerkannte Ausbildungsberufe in didaktisch abgegrenzte Einheiten.

Diese Teilqualifikationen (TQ) ermöglichen es, Kompetenzen im eigenen Tempo zu erwerben und diese durch standardisierte Kompetenzchecks nachzuweisen. Neun von zehn Teilnehmenden bestehen diese Prüfungen erfolgreich.

Besonders die Kombination aus digitalen Lernanteilen und Präsenzphasen erhöht die Teilhabechancen für Personen mit Erziehungs- oder Pflegeverantwortung. Durch diese Flexibilisierung werden Barrieren abgebaut, die in traditionellen Bildungsformaten oft zum Abbruch oder gar nicht erst zur Aufnahme einer Qualifizierung führen.

Wirtschaftliche Relevanz und arbeitsmarktpolitische Folgen

Aus einer strukturellen Perspektive betrachtet, weisen Teilqualifikationen eine vorteilhafte Kosten-Nutzen-Bilanz auf. Während eine vollständige Umschulung oft zwei Jahre beansprucht, ermöglichen die zwei- bis sechsmonatigen Module einen wesentlich schnelleren Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) liegt die Übergangsquote in Beschäftigung bei 68 Prozent, im Bereich der Grundsicherung (SGB II) bei 50 Prozent.

Die gesellschaftliche Bedeutung dieses Modells wächst angesichts der digitalen Transformation. Betriebe profitieren von Arbeitskräften, deren Teilfertigkeiten unmittelbar einsetzbar und zertifiziert sind. Langfristig führt der Weg über Teilqualifikationen häufig zum vollwertigen Berufsabschluss, was das Risiko von Arbeitslosigkeit dauerhaft senkt und das durchschnittliche Einkommen signifikant steigert.

Notwendigkeit struktureller Anpassungen

Trotz der messbaren Erfolge zeigt die Evaluation Optimierungspotenzial in der politischen Steuerung auf. Um die Wirksamkeit zu verstetigen, ist eine stärkere Sensibilisierung der vermittelnden Stellen sowie eine kohärente Förderlogik erforderlich.

Der Fokus sollte darauf liegen, nicht nur einzelne Module zu finanzieren, sondern geschlossene »Modulketten« zu ermöglichen, die systematisch zum Berufsabschluss führen. Eine bundesweite Standardisierung der Prüfungsverfahren bleibt zudem eine zentrale Voraussetzung für die Transparenz und Akzeptanz der Abschlüsse in der Wirtschaft. 


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