Ausbildungsmarkt im Dauertief – Warum Betriebe und Politik jetzt umsteuern müssen

Berufsausbildung (Symbolbild)

Jugendliche fehlen, Bewerberzahlen sinken

Der deutsche Ausbildungsmarkt steckt weiter in der Krise. Nach aktuellen Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bleibt die Zahl der Ausbildungsverträge deutlich hinter dem Niveau der Vorjahre zurück.

Besonders alarmierend: Immer mehr Jugendliche entscheiden sich gegen eine duale Ausbildung – und immer mehr Betriebe finden keine passenden Bewerber*innen.

Das IAB weist darauf hin, dass der demografische Wandel, die gestiegene Studienneigung und regionale Ungleichgewichte die Lage zusätzlich verschärfen. Während in manchen Regionen noch ausreichend junge Menschen ausgebildet werden, bleiben in anderen viele Lehrstellen unbesetzt.

Fachkräftelücke wächst

Die Folgen sind weitreichend. Fehlende Auszubildende bedeuten fehlende Fachkräfte von morgen – ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands. Besonders in Handwerk, Pflege und technischen Berufen zeichnet sich eine dauerhafte Lücke ab. Viele Betriebe investieren inzwischen stärker in Umschulungen oder nehmen auch ältere und geringqualifizierte Personen in den Blick, um Personalengpässe zu mindern.

Nach Einschätzung der Forschenden droht sich die Spirale weiter zu drehen: Je weniger attraktive Ausbildungsangebote es gebe, desto geringer werde das Interesse junger Menschen an der dualen Ausbildung. Umgekehrt führten fehlende Bewerbungen dazu, dass Betriebe ihr Engagement in der Ausbildung zurückfahren.

Appell an Politik und Wirtschaft

Das IAB betont, die Verantwortung liege nun bei Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Betriebe müssten Ausbildungsbedingungen modernisieren und jungen Menschen echte Entwicklungsperspektiven bieten. Gleichzeitig sei es Aufgabe der Politik, berufliche Bildung stärker zu fördern und gesellschaftlich aufzuwerten.

Empfohlen werden gezielte Programme zur Berufsorientierung, bessere Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung sowie ein stärkerer Fokus auf regionale Ausbildungspartnerschaften. Nur so lasse sich das System stabilisieren.

Infobox: Zentrale IAB-Daten zum Ausbildungsmarkt 2025

  • Unbesetzte Ausbildungsstellen: rund 73.000 (nach BA-Daten, Stand Sommer 2025)

  • Gemeldete Bewerber*innen: etwa 410.000, ein Rückgang um über 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr

  • Offene Lehrstellen: in Handwerk, Gastronomie und Pflege besonders hoch

  • Beliebteste Ausbildungsberufe: Kaufmann/-frau im Einzelhandel, medizinische Fachangestellte, Kraftfahrzeugmechatroniker*in

  • Regionale Unterschiede: Besonders starke Engpässe in Ostdeutschland und im ländlichen Raum

Ausbildung als Zukunftsaufgabe

Die Analyse zeigt: Der Ausbildungsmarkt steht an einem Wendepunkt. Ohne entschlossene Maßnahmen droht der Fachkräftemangel weiter zu wachsen. Eine zukunftsorientierte Bildungspolitik müsse Ausbildung als gleichwertigen Bildungsweg verstehen – und Betriebe als Orte der Qualifizierung und Integration stärken. 


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