GenAI und Arbeitsmarkt: Neue Erkenntnisse zu globalen Auswirkungen auf berufliche Tätigkeiten

ILO

Fortschritte bei der Messung von GenAI-Auswirkungen

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat ihren globalen Index zu Auswirkungen von Generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) auf den Arbeitsmarkt aktualisiert.

Damit bietet die ILO eine detaillierte und differenzierte Einschätzung, wie Generative KI verschiedene Berufsgruppen und Branchen weltweit beeinflussen könnte. Die Überarbeitung basiert auf einer Kombination aus Aufgabenanalysen, Experteneinschätzungen und KI-gestützten Prognosen, um die potenziellen Auswirkungen auf die Beschäftigung noch präziser abzubilden

Methode: Kombination aus KI, Umfragen und Expertenwissen

Die Untersuchung nutzt eine umfassende Aufgabenklassifikation aus Polen, die fast 30.000 Tätigkeiten abbildet. Über 1.600 Beschäftigte aus verschiedenen Berufsgruppen bewerteten, inwieweit ihre Aufgaben durch GenAI automatisierbar sind.

Diese Einschätzungen wurden mit Expertenmeinungen abgeglichen und durch KI-gestützte Modelle ergänzt. So entstand ein fein abgestimmter Index, der die Automatisierungspotenziale für einzelne Aufgaben und Berufe global vergleichbar macht.

Ergebnisse: Wer ist wie stark betroffen?

  • Weltweit ist etwa jede vierte beschäftigte Person in einem Beruf tätig, der zumindest teilweise GenAI-Exposition aufweist.
  • 3,3 % aller Arbeitsplätze fallen in die höchste Expositionskategorie. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer (4,7 % vs. 2,4 %).
  • In Hochlohnländern sind die Unterschiede besonders ausgeprägt: Dort liegt der Anteil der hoch exponierten weiblichen Beschäftigten bei 9,6 %, bei Männern bei 3,5 %.
  • Die Gesamt-Exposition steigt mit dem Wohlstand eines Landes: In Ländern mit hohem Einkommen sind 34 % der Arbeitsplätze betroffen, in Ländern mit niedrigem Einkommen nur 11 %.

Besonders exponierte Berufsgruppen

Am stärksten betroffen sind weiterhin »Clerical Occupations« wie Büro- und Verwaltungsberufe. Auch stark digitalisierte Tätigkeiten, etwa in IT, Medien oder Finanzen, weisen eine zunehmende GenAI-Exposition auf. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Aufgaben weiterhin menschlichen Input erfordern und daher eine Transformation der Arbeit wahrscheinlicher ist als vollständige Automatisierung.

Implikationen für Weiterbildung und Arbeitsmarktpolitik

Die Studie betont, dass die Auswirkungen von GenAI vor allem in der Umgestaltung von Berufen liegen. Die präzise Zuordnung von Automatisierungspotenzialen auf Aufgabenebene ermöglicht es, gezielte Weiterbildungsmaßnahmen und sozialpartnerschaftliche Dialoge zu entwickeln. So können Beschäftigte und Unternehmen den digitalen Wandel aktiv gestalten.

Chancen und Herausforderungen für Bildung, Hochschulen und Unternehmen

Die differenzierte Analyse der GenAI-Exposition liefert wichtige Grundlagen für Bildungsträger, Hochschulen und Unternehmen. Sie können gezielt Kompetenzen fördern, die in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt gefragt sind. Gleichzeitig bleibt die soziale Dimension zentral: Die Transformation der Arbeit erfordert faire Übergänge und eine inklusive Arbeitsmarktpolitik. 


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