Arbeiten nach 66: Wie Ältere den Arbeitsmarkt stärken

Junger und älterer Mitarbeiter schütteln sich die Hand (Symbolbild)

Ältere Erwerbstätige als unterschätzte Kraft

Der Übergang in den Ruhestand wird neu definiert. Eine aktuelle Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt, dass sieben Prozent der Menschen ab 66 Jahren weiterhin einer bezahlten Tätigkeit nachgehen.

Diese auf dem Mikrozensus 2022 basierende Zahl verdeutlicht eine strukturelle Verschiebung: Arbeiten im Alter ist längst kein Randphänomen mehr, sondern eine relevante Größe für die gesamte Volkswirtschaft.

Wer arbeitet – und unter welchen Bedingungen?

Die Studie beschreibt ein klares Profil derjenigen, die jenseits der Regelaltersgrenze arbeiten. Rund 19 Wochenstunden bilden den Durchschnitt, was die starke Präferenz für Teilzeit bestätigt.

Besonders auffällig ist der hohe Anteil an Selbstständigen: Mit 37,4 Prozent liegt er deutlich über dem gesamtgesellschaftlichen Wert von neun Prozent. Diese Diskrepanz deutet auf die Bedeutung flexibler Arbeitsformen hin. Viele Ältere bevorzugen Tätigkeiten, die sich selbstbestimmt gestalten lassen und weniger starre Strukturen erfordern.

 

Erwerbstätigkeit mit 66

 

Gesundheit und Qualifikation als Schlüssel

Die DIW-Auswertung macht deutlich, welche Faktoren den Ausschlag geben. Laut Johannes Geyer, stellvertretender Leiter der Abteilung Staat, leisteten gut qualifizierte und gesunde Ältere einen merklichen Beitrag zum Arbeitsmarkt. Anna Bindler ergänzte, dass gesetzliche Rahmenbedingungen nur einen Teil der Erklärung lieferten, während individuelle Voraussetzungen eine zentrale Rolle spielten.

Vor allem zwei Aspekte wirken stark:

  • Gesundheit 
    In der Gruppe der 66- bis 69-Jährigen mit guter oder sehr guter Gesundheit bleibt rund jede fünfte Person erwerbstätig.

  • Bildungsniveau 
    Höhere Qualifikation erhöht die Wahrscheinlichkeit längerer Erwerbsphasen und stärkt die Präsenz erfahrener Fachkräfte.

Diese Kombination macht ältere Beschäftigte zu einer wertvollen Ressource – insbesondere in einer Phase, in der der Fachkräftemangel viele Branchen belastet.

Beitrag zur Fachkräftesicherung

Die Zahlen aus der Studie zeigen eine relevante Beteiligung der Älteren in Engpassberufen. In Bereichen mit akutem Fachkräftemangel liegt ihr Anteil bei 23 Prozent und damit auf dem Niveau der jüngeren Erwerbstätigen. In Berufen mit einem drohenden Mangel liegt der Wert bei 30 Prozent, während Jüngere dort 40 Prozent erreichen. Diese Differenz deutet auf weiteres Potenzial hin, das bislang nicht ausgeschöpft wird.

Politische Weichen für mehr Arbeitsbeteiligung im Alter

Die DIW-Forschenden plädieren für gezielte Maßnahmen, um die Erwerbstätigkeit im Alter zu stärken. Dazu zählen gesundheitsfördernde Programme, bessere Weiterbildungsangebote und Reformen im Steuer- und Sozialrecht. Hermann Buslei betonte, dass insbesondere Anpassungen bei der Minijobregelung helfen könnten, die Beschäftigungsquote älterer Frauen zu erhöhen. Außerdem sei eine intensivere Unterstützung älterer Menschen bei der Arbeitssuche sinnvoll.

Peter Haan unterstrich die Notwendigkeit, mehr Menschen jenseits der Regelaltersgrenze im Arbeitsmarkt zu halten. Ein Blick nach Schweden zeige, dass deutlich höhere Erwerbsquoten im Alter erreichbar seien.

Fazit: Potenzial heben, Zukunft gestalten

Die Analyse des DIW macht deutlich, dass ältere Erwerbstätige eine wachsende und bislang unterschätzte ökonomische Ressource sind. Entscheidend wird sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die gute Gesundheit, Qualifikation und flexible Beschäftigungsmodelle fördern. Damit wird der Weg zu einer verlängerten Erwerbsphase nicht zur Pflicht, sondern zu einer realen, selbstbestimmten Option.


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