»Boomer-Soli« – Stabilisierung der Rente durch eine neue Sonderabgabe?

Rente  1

Herausforderung Rentensystem: Demografie erzwingt Reformen

Das deutsche Rentensystem steht aufgrund des demografischen Wandels vor enormen Herausforderungen. Angesichts der anstehenden Babyboomer-Ruhestände wächst der Druck auf die Rentenkassen.

Laut Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) habe die Rentenpolitik es verpasst, ausreichende finanzielle Rücklagen zu schaffen. Die aktuelle Generation werde damit stärker belastet sein als bisher.

Was ist der »Boomer-Soli«?

Das Konzept eines »Boomer-Soli« sieht eine Solidaritäts-Sonderabgabe auf sämtliche Alterseinkünfte vor. Das Besondere: Diese Abgabe trifft gezielt die älteren Generationen mit höheren Einkommen und verschont Jüngere weitgehend.

Im Gegensatz zu steigenden Rentenbeiträgen und Steuerzuschüssen, von denen auch jüngere Erwerbstätige betroffen wären, basiert der »Boomer-Soli« auf innergenerationaler Umverteilung.

Die geplante Ausgestaltung sieht eine Sonderabgabe in Höhe von zehn Prozent vor – jedoch erst nach einem monatlichen Freibetrag von etwa 1.000 Euro. Betroffen wären vor allem die 20 Prozent der Rentenhaushalte mit den höchsten Einkommen. Im Ergebnis hätte diese Gruppe drei bis vier Prozent weniger Nettoäquivalenzeinkommen, abhängig davon, ob auch Kapitaleinkünfte in die Bemessungsgrundlage einfließen.

Boomer Soli

Wer profitiert, wer wird belastet?

Die entscheidende Zielgruppe der finanziellen Entlastung sind einkommensschwache Rentenbeziehende. Das unterste Fünftel der Rentner*innen würde von einer Anhebung der gesetzlichen Rente profitieren. Die Nettoeinkommen dieser Gruppe stiegen um zehn bis elf Prozent.

Zudem würde die Armutsrisikoquote in dieser Altersgruppe von rund 18 Prozent auf knapp 14 Prozent sinken – eine deutliche Verbesserung der Lebenssituation zahlreicher Senior*innen.

Ein großer Vorteil des Konzepts ist die breite Bemessungsgrundlage: Erfasst werden nicht nur gesetzliche Renten, sondern auch Betriebsrenten, Pensionen und weitere Versorgungsbezüge sowie gegebenenfalls Kapitaleinkünfte.

Damit trägt der »Boomer-Soli« der Tatsache Rechnung, dass wohlhabende Haushalte häufig andere Einkommensquellen als die gesetzliche Rente nutzen.

Zielgenauigkeit vs. Alternative Umverteilung

Die Umverteilung innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung, wie sie beispielsweise vom Sachverständigenrat für Wirtschaft empfohlen wurde, ist nach Ansicht der DIW-Expert*innen wenig zielführend. Die Anwartschaften in der gesetzlichen Rente seien kein verlässlicher Indikator für das Haushaltseinkommen.

Daher würde eine reine Umverteilung innerhalb der gesetzlichen Rente einkommensstarke Haushalte deutlich weniger belasten als die vorgeschlagene Sonderabgabe auf sämtliche Alterseinkünfte.

Mögliche Nebenwirkungen und politische Perspektive

Die Expert*innen weisen darauf hin, dass intertemporale Effekte zu bedenken sind. Wer heute vorsorge oder arbeite, müsse damit rechnen, im Alter zusätzlich belastet zu werden. Dies könnte sich auf das Sparverhalten oder die Motivation zur Erwerbsarbeit auswirken.

Am Ende sei die konkrete Ausgestaltung und Verteilung der Lasten aber immer auch eine politische Entscheidung. 


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