Weiterbildungsguide gr

Anzeige

Anzeige

 

ANZEIGEN

Anzeige

Weiterbildung

Personalmanagement

Beruf & Arbeit

Kampf gegen Sexismus im Blick

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 
Deutscher Bundestag 2

Die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen Sexismus stand am 27. März 2017 im Mittelpunkt einer öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Anhörung unter Vorsitz von Paul Lehrieder (CDU/CSU) geht auf einen Antrag der Fraktion Die Linke zurück, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, in Abstimmung mit den Bundesländern einen bundesweiten Aktionsplan zu initiieren, der alle staatlichen Ebenen in die Pflicht nimmt und auch Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis mit einbezieht.

Unter der Überschrift »Sexismus die Rote Karte zeigen« heißt es darin, die Auseinandersetzung mit sexistischer Diskriminierung dürfe nicht allein in den privaten Bereich zurückgeschoben oder der freien Wirtschaft überantwortet werden. Komme der Staat seinen eigenen Schutzpflichten nicht nach, mache er sich mitverantwortlich. Ein entsprechender Aktionsplan sollte unter anderem Maßnahmen der geschlechtersensiblen Pädagogik, Maßnahmen im Bereich der medialen Darstellung, Maßnahmen gegen Sexismus in der Arbeitswelt, Maßnahmen zur Stärkung und Ausweitung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) sowie Maßnahmen im Bereich Gewalt gegen Frauen umfassen.

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, befasste sich in ihrem Statement mit der Stärkung und Ausweitung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Sie bezog sich auf eine Evaluation des AGG aus dem Jahr 2016 und Ergebnisse einer Kommission, die 2015 der Frage nachgegangen waren, wie Betroffene bessere vor Diskriminierung geschützt werden können. Notwendig seien danach eine Verlängerung der Geltendmachungsfristen, die Einführung eines Verbandsklagerechts, die Erweiterung des Schutzbereichs bei sexuellen Belästigungen, die Stärkung von Beschwerdemöglichkeiten, die Erleichterung der Beweislast sowie die Stärkung sowie personelle und finanzielle Absicherung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Prof. Dr. Sabine Sczesny vom Institut fur Psychologie der Universität Bern erklärte in ihrem Statement, in der deutschen Gesellschaft bestehe ein breiter gesellschaftlicher Konsens darüber, dass die Beseitigung von Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern zu den Prioritäten von Regierungen gehören sollte. Obwohl für viele gesellschaftliche Bereiche bereits wissenschaftlich fundierte Maßnahmen entwickelt worden seien, reichten die vorhandenen Gesetze und Maßnahmenkataloge nicht aus. Eine zeitnahe Umsetzung des geforderten bundesweiten Aktionsplans könne einen wesentlichen Schritt zu einer tatsächlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Deutschland darstellen.

Aus Sicht der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, vertreten durch Jutta Troost vom Deutschen Städtetag, stellt der in dem Antrag geforderte bundesweite Aktionsplan eine Bündelung aller bisherigen und noch auszuweitenden Maßnahmen dar, bietet aber keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten bei der Bekämpfung von Diskriminierungstatbeständen oder sexistischer Gewalt. Außerdem seien verschiedene Maßnahmen bereits in Bundesgesetzen umgesetzt oder befänden sich gerade in der Abstimmung. Es sollte zunächst zumindest eine Zeit abgewartet werden, ob diese Gesetze greifen.

Dr. Stevie Meriel Schmiedel, Geschäftsführerin Pinkstinks Germany e.V, stimmte in ihrem Statement allen Punkten des Antrags zu. Pinkstinks versteht sich als junge Protestorganisation, die gegen Produkte, Werbe- und Medieninhalte agiert, die Kindern eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Dringend gebraucht wird Schmiedel zufolge eine bundesweite Aktion "Schule ohne Sexismus", um insbesondere Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern für Alltagssexismus zu sensibilisieren. Diese sollte - ähnlich wie die "Schule ohne Rassismus" - Teil eines bundesweiten Aktionsplans sein.

Prof. Dr. Gerd Bohner von der Abteilung für Psychologie der Universität Bielefeld, erklärte in seinem Statement, die im Antrag präsentierte Überlegung, dass es sich bei sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen nur um die Spitze eines sexistischen Eisbergs handle, decke sich mit dem Stand der Forschung. Es sei zu erwarten, dass wirksame Maßnahmen gegen Sexismus auch zu einer Reduktion anderer gruppenbezogener Vorurteile beitragen und damit weitere wünschenswerte Effekte entfalten. Wichtig sei daneben die Förderung der Forschung zum Thema Sexismus.

Karin Nordmeyer, Vorsitzende U.N. Women Nationales Komitee Deutschland e.V., erklärte, der geforderte bundesweite Aktionsplan könne die Umsetzung der Gleichstellung und Chancengleichheit der Geschlechter voranbringen. Dafür bestehe auch in Deutschland noch Bedarf. Die im Antrag vorgeschlagenen Maßnahmen seien geeignet, in vielen gesellschaftlichen Bereichen ein Umdenken und eine Veränderung im Verhalten der Menschen herbeizuführen.

Dagmar Freudenberg vom Deutschen Juristinnenbund erklärte auf eine Frage nach Möglichkeiten, was die staatliche Seite tun könne, um sexistische Verhaltens- und Denkmuster zu durchbrechen, dass die Einführung einer flächendeckenden verpflichtenden Fortbildung für Juristen und Juristinnen geprüft werden sollte. In Nordrhein-Westfalen gebe es so etwas bereits. Denkbar seien auch Maßnahmen, um eine solche Fortbildung attraktiver zu machen. Hintergrund sei, dass in der Justiz die Begrifflichkeit des Sexismus nicht so geläufig sei.

 

 

Das könnte Sie auch interessieren...

Umfrage: Immer mehr Frauen fühlen sich im Job benachteiligt
28 Prozent der weiblichen Millennials glauben, dass Männer im Job bevorzugt werden - 2011 waren es nur 16 Prozent // Auch in anderen Altersgruppen sehen sich drei von zehn...
Qualifizierte Job-Bewerberinnen mit türkischem Namen und Kopftuch benachteiligt
Trotz aller Integrationsbemühungen werden türkischstämmige Frauen, insbesondere wenn sie ein Kopftuch tragen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach wie vor diskriminiert. Wie...
Arbeitsrecht: Kündigung nach früherer sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
Belästigt ein Arbeitnehmer eine Kollegin sexuell, kann das eine fristlose Kündigung des langjährigen Arbeitsverhältnisses rechtfertigen. Auch dann, wenn der Vorfall schon ü...
AGG: BAG-Urteil zu Diskriminierung wegen Schwerbehinderung
Die beklagte Stadt schrieb Mitte 2013 die Stelle eines »Techn. Angestellte/n für die Leitung des Sachgebiets Betriebstechnik« des von ihr unterhaltenen Komplexes »Palmengarten...
Vier von fünf Personalverantwortlichen akzeptieren keine anonymen Bewerbungen
Nur 17 Prozent der Personaler in Deutschland akzeptieren anonymisierte Bewerbungen. Dagegen würde sich mehr als jeder dritte Kandidat (36 Prozent) gerne anonym bewerben. Dies...
BAG: Diskriminierung wegen einer Schwerbehinderung?
BAG: Keine Diskriminierung wegen einer Schwerbehinderung bei unterlassener Durchführung des Präventionsverfahrens nach § 84 Abs. 1 SGB IX in den ersten sechs Monaten des...
Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsgesetzes beschlossen
Das Bundeskabinett hat am 13. Januar 2016 den Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts beschlossen. Das derzeit geltende...
BAG-Urteil zu altersdiskriminierender Kündigung im Kleinbetrieb
Ist bei einer Kündigung gegenüber einer Arbeitnehmerin aufgrund von ihr vorgetragener Indizien eine unmittelbare Benachteiligung wegen des Lebensalters nach § 22 AGG zu...
Altersdiskriminierung als Stressfaktor
Wie die Mitarbeiterbindung in Unternehmen geschwächt wird  Wenn Arbeitnehmer wiederholt erfahren, dass man sie am Arbeitsplatz wegen ihres Lebensalters an den Rand drängt...

iwwb